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EZB will Geldschleusen weiterhin weit offen halten

Die Europäische Zentralbank hält trotz steigender Inflationszahlen an ihrem geldpolitischen Kurs fest. Das sind die wichtigsten Entscheidungen.

(Reuters) Die Europäische Zentralbank (EZB) hält trotz einer sich abschwächenden Pandemie und steigender Inflationszahlen an ihren umfangreichen Konjunkturhilfen für die Wirtschaft fest. Die Euro-Wächter um Notenbank-Präsidentin Christine Lagarde beschlossen am Donnerstag, dass die Ankäufe im Rahmen ihres billionenschweren Krisen-Anleihenkaufprogramms PEPP auch während des nächsten Quartals deutlich umfangreicher ausfallen sollen als in den Anfangsmonaten des Jahres. Die EZB hatte das Kauf-Tempo im zweiten Jahresviertel im Vergleich zum Jahresstart kräftig erhöht. Damit will sie vermeiden, dass sich die Finanzierungsbedingungen für Firmen, Staaten und Privathaushalte verschärfen. Denn das könnte die Erholung der Wirtschaft von den Pandemie-Folgen gefährden.

Die Euro-Wächter kündigten zudem an, die PEPP-Ankäufe flexibel in Abhängigkeit von den Marktbedingungen zu tätigen. Ihren Leitzins zur Versorgung der Wirtschaft mit Geld beliessen die Euro-Wächter auf dem Rekordtief von 0,0%. Seit März 2016 liegt er bereits auf diesem Niveau. Der Einlagesatz bleibt bei minus 0,5%. Geldhäuser müssen somit weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank horten.

«Inflationsspuk hin oder her, die EZB bleibt bei ihrer Linie», kommentierte Alexander Krüger, Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe, die Beschlüsse. «Ihr Vorgehen zeigt eine grosse Gelassenheit gegenüber dem aktuellen Inflationsanstieg.» Statt Inflation zu bekämpfen, werde die EZB wohl noch lange alles tun, um für Stabilität bei Konjunktur, Staaten und Finanzmärkten zu sorgen. Kritischer äusserte sich dagegen Friedrich Heinemann vom Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW. «Bei einer Mehrheit im EZB-Rat herrscht offenbar die Sicht vor, dass sich die Euro-Zone nur dann erholen kann, wenn die langfristigen Zinsen auf ihrem historisch niedrigen Niveau verbleiben», merkte er an. Diese Sichtweise überzeuge in einem Umfeld der kräftigen Konjunkturerholung immer weniger.

Alle Instrumente im Blick

Die EZB stellte auch in Aussicht, notfalls alle ihre Instrumente anzupassen. Die Euro-Notenbank ist der von der Pandemie geschwächten Wirtschaft mit diversen Stützungsmassnahmen zur Seite gesprungen. Das im Frühjahr 2020 aufgelegte PEPP, das Staatsanleihen, Firmenanleihen und andere Titel umfasst, wurde bereits zweimal aufgestockt. Es hat einen Kaufrahmen von 1,85 Billionen Euro und die Käufe sollen noch bis Ende März 2022 fortgesetzt werden. Zudem hat die EZB langfristige, sehr günstige Kreditspritzen für Banken («TLTRO») aufgelegt.

Experten gehen davon aus, dass Lagarde am Nachmittag auf einer Pressekonferenz zu den weiteren Konjunktur- und Inflationsaussichten befragt werden wird. Notenbank-Volkswirte haben zur Zinssitzung neue ökonomische Vorhersagen für den Euro-Raum vorgelegt. Lagarde dürfte zudem darauf angesprochen werden, wann die Euro-Wächter damit beginnen werden, ihre Krisenhilfen langsam zurückzufahren, sollte die wirtschaftliche Erholung kräftig voranschreiten. Im Mai lag die Inflationsrate mit 2,0% sogar leicht über der Zielmarke der EZB. Manche Ratsmitglieder hatten bereits über ein mögliches Abschmelzen der PEPP-Käufe nachgedacht.

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