Unternehmen / Industrie

Ceva widersetzt sich Angebot von DSV

Der dänische Konkurrent DSV hat 27.75 Fr. je Ceva-Aktie geboten. Der Verwaltungsrat des Logistikers lehnt das als viel zu niedrig ab.

Adrian Blum und Claudia Lanz-Carl

Der Börsengang von Ceva Logistics (CEVA 29.65 0%) ist bis anhin kein Ruhmesblatt. Seit der Erstnotiz von Anfang Mai haben die zu 27.50 Fr. emittierten Aktien deutlich an Wert verloren und notierten am Mittwoch bei 18.42 Fr. Nun teilt das Logistikunternehmen mit, ein «unaufgefordertes Übernahmeangebot» erhalten zu haben.

Nach der Mitteilung von Ceva meldete sich dann der Bieter zu Wort. Er heisst DSV (DSV 490.5 -1.62%) und stammt aus Dänemark. Bei DSV handelt es sich um eine Transportlogistik-Gruppe mit mehreren Geschäftsfeldern, inklusive Lager- und Logistikdiensten, mit einer Marktkapitalisierung von rund 15 Mrd. Fr.

DSV bestätigt, ein Angebot von 27,75 Fr. je Ceva-Aktie gemacht zu haben. Das entspricht einer Prämie des 60-Tages-Durchschnitts von 37%. Ein Zusammenschluss hätte signifikanten Wert für alle Beteiligten geschaffen, hiess es in der Mitteilung.

Bis Donnerstagmittag schossen die Ceva-Titel daher rund 32% in die Höhe. Der Ceva-Verwaltungsrat habe das Angebot geprüft und sei einstimmig zum Schluss gekommen, es liege nicht im besten Interesse der Gesellschaft und ihrer Aktionäre. Das Angebot bewerte insbesondere die Aussichten von Ceva, an der Börse mit 1,3 Mrd. Fr. bewertet, als eigenständiges Unternehmen deutlich zu niedrig.

Erste Abwehrmassnahmen

Als Abwehrmassnahme hat Ceva die Stillhaltevereinbarung mit Hauptaktionär CMA CGM angepasst. Die Verpflichtung von CMA CGM, ihre Beteiligung bis 5. November nicht über die derzeitigen 24,99% des Aktienkapitals hinaus zu erhöhen, ist obsolet. Neu gilt, dass CMA CGM ihren Anteil auf bis zu ein Drittel der Stimmrechte der Ceva Logistics erhöhen darf.

Bestehen bleibt die Verpflichtung von CMA CGM, ihre Aktien in einem öffentlichen Übernahmeangebot eines Dritten auf Empfehlung des Vorstands anzubieten, es sei denn, sie unterbreite ein höheres Angebot. Zudem habe sich CMA CGM unter bestimmten Bedingungen bereiterklärt, in den nächsten sechs Monaten «kein Angebot ohne Empfehlung des Verwaltungsrats zu veröffentlichen oder auszulösen».

Ausserordentliche Generalversammlung?

Die Bank Vontobel (VONN 54.95 -0.81%) hält in einer Kurzstudie fest, der Angebotspreis von 27.75 Fr. liege nahe beim eigenen Kursziel von 29 Fr., weist aber darauf hin, dass der Verwaltungsrat alle Aktionäre von seiner Fähigkeit überzeugen müsse, in einem vernünftigen Zeitrahmen das volle Wertpotenzial, das über dem Angebotspreis liege, ausschöpfen zu können.

«Die Aktionäre könnten unseres Erachtens unter Umständen die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung verlangen, um über die Angelegenheit zu befinden», schreibt Vontobel-Analyst Michael Foeth weiter. Er erwarte, dass CMA CGA den Anteil rasch auf 33,3% ausbauen werde. Vontobel bestätigt die Kaufempfehlung für Ceva.

Hoher Konsolidierungsbedarf

Im November endet die Lock-up-Periode der Altaktionäre von Ceva. Apollo Investments, Franklin Templeton und Capital Group halten gemeinsam 15%. Generell ist der Konsolidierungsdruck in der Branche gross.

Urs Beck von EFG (EFGN 5.84 -1.68%) Asset Management ist mit seinem Swiss Select Equity Fund in Ceva engagiert und bekräftigt gegenüber FuW die Ansicht, dass grosser Konsolidierungsdruck in der Branche bestehe. Wie so häufig wolle aber jeder der Konsolidierer sein, nicht der Konsolidierte. Ob CMA CGM nun 25 oder gut 30% halte, sei zweitrangig. An dem Grossaktionär komme ein Bieter nicht vorbei, und einen Versuch, Ceva unfreundlich zu übernehmen, hält Beck für wenig wahrscheinlich. Unabhängig davon sieht er weiterhin substanziell höhere Kurse als den Emissionspreis für Ceva.

Optimistischer Ausblick

Am 13. November legt Ceva Zahlen zum dritten Quartal vor. Zuletzt bekräftigte das Management den Ausblick, wonach mittelfristig eine Ebitda-Marge von 4% angestrebt wird (zuletzt 3,3%) und sich der Ebitda um 100 Mio. $ verbessern soll. «Wir gewinnen Neugeschäft und sehen die positiven Auswirkungen der Entschuldung. Wir verbessern weiterhin die Produktivität und senken die Kosten in vielen unserer Geschäftsbereiche», betont Ceva.

Die US-Grossbank Morgan Stanley (MS 39.64 -2.36%) kommentierte nach den Halbjahreszahlen, Ceva habe klare Möglichkeiten, die Margen auf das Niveau der Branchennachbarn zu heben. Vor allem Kühne + Nagel (KNIN 131.8 -0.45%) steht deutlich besser da. Die Verbesserung der Profitabilität wäre ein Katalysator für höhere Kurse. Das Verhältnis Nettoschulden zu bereinigtem Ebitda soll mittelfristig auf 2 bis 1,5 sinken.

Mit dem Übernahmeangebot ist das Grundproblem von Ceva nicht gelöst: der Vertrauensverlust seit dem Börsengang. Verwaltungsrat und Management müssen in den kommenden Quartalen aufzeigen, warum das Übernahmeangebot zu billig ist.

Die komplette Historie zu Ceva Logistics finden Sie hier. »

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