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Überreizt

Schönreden hilft nicht. Börsenaspiranten müssen über die Bücher. Ein Kommentar des stv. Chefredaktors Adrian Blum.

«Den Emissionspreis zu sehr auszureizen, birgt die Gefahr anhaltenden Misstrauens unter Investoren.»

Das ist ein Warnzeichen für alle Börsenaspiranten. Klar, es stimmt: Die Liquidität am Markt ist üppig, die Bewertungen an den Aktienmärkten sind hoch, auch nach vereinzelten Kurskorrekturen, und der Anlagenotstand wird auch in den kommenden Monaten nicht zu Ende sein. Doch Swiss Re (SREN 98.82 1.5%) ist in London mit dem IPO der Tochter ReAssure gescheitert, kurz darauf auch die asiatische Tochter von Anheuser Busch Inbev in Hongkong. Letztere Transaktion wäre ein dicker Brocken von fast 10 Mrd. $ gewesen. Was nun?

Schönreden hilft nicht. Marktteilnehmer wiegeln ab, ob in London, Frankfurt oder Zürich, Qualität werde immer ihren Weg finden, heisst es da. Das schon, aber auch dann ist alles eine Frage des Preises. ReAssure und Anheuser Busch sind ein Wink mit dem Zaunpfahl, den die Emittenten bis zum Beginn der nächsten IPO-Saison ab Spätsommer nicht vergessen sollten. Denn den Emissionspreis zu sehr auszureizen, birgt nicht nur das Risiko eines Scheiterns, sondern – bei Gelingen – die Gefahr einer schlechten Performance und anhaltenden Misstrauens unter Investoren.

In unserem nördlichen Nachbarland bahnt sich gerade eine recht exotische Transaktion an. Der deutsche Fussballverein SpVgg Unterhaching plant das IPO. Der Drittligist will brutto bis zu 7,7 Mio. € einnehmen. Bis zum Ende der Zeichnungsfrist, dem 26. Juli, kann noch viel passieren. Gelingt aber der Deal und folgen steigende Kurse, wäre es doch ein unrühmliches Zeichen, wenn Unterhaching wegen zu hoher Preisvorstellungen anderer Kandidaten oder Neulinge als bestes IPO Europas von 2019 in die Geschichte eingehen würde.

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