Märkte / Makro

Uhrenexporte leicht über Vor-Corona-Niveau

Die Schweizer Uhrenexporte können im April massiv zulegen und steigen im Vergleich zum Vorjahr. Die gesamten Exporte stagnieren auf hohem Niveau.

(AWP)Die Ausfuhren von Schweizer Uhren sind im April im Vergleich zum Vorjahr wie erwartet in die Höhe geschnellt. Damals waren sie auf dem Höhepunkt der Pandemie regelrecht eingebrochen. Die aktuellen Zahlen liegen nun aber bereits den zweiten Monat in Folge auch wieder über dem Vorkrisen-Niveau.

Insgesamt beliefen sich die Uhrenexporte im April auf 1,79 Mrd. Fr., wie den Zahlen der Eidgenössische Zollverwaltung vom Donnerstag zu entnehmen ist. Das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um fast das Fünfeinhalbfache. Vor einem Jahr waren wegen des Shutdowns zur Eindämmung der Coronapandemie nur noch Uhren im Wert von 329 Mio. Fr. ins Ausland abgesetzt worden.

In den nächsten Monaten dürfte der Vorjahresvergleich weiterhin positiv ausfallen. Denn auch im Mai 2020 verharrten die Uhrenexporte unter der Marke von 1 Mrd. Fr., ehe sie sich dann langsam erholten.

Vorkrisenwerte übertroffen

Die aktuellen April-Werte liegen nun aber nicht nur massiv über dem Vorjahreswert, sondern auch um 2 Prozent über jenem von April 2019 (1,75 Mrd) – also über dem Vorkrisen-Niveau. «Das bestätigt die Rückkehr zum normalen Niveau, die im März begann», teilte der Branchenverband FH gleichentags mit. Der Verband ist nun vor allem auf die Mai-Zahlen gespannt: «Die nächsten Monatsergebnisse für die Uhrenexporte werden entscheidend sein für die Bestätigung des Trends.»

Dabei haben die verschiedenen Uhrenkategorien im letzten Monat allerdings unterschiedlich abgeschnitten. Uhren aus Edelmetallen waren laut der Statistik von FH besonders gefragt, während die Exportzahlen für Uhren aus Edelstahl stagnierten. Die Gesamtzahl der Exportierten Uhren sei deutlich unter dem Level von 2019 gewesen, vor allem wegen dem Rückgang der Stahluhren und Uhren aus der Kategorie «andere Materialien».

Dass die Zahlen dennoch höher liegen als 2019 dürfte daran liegen, dass vor allem höherpreisige Uhren beliebt waren. So verzeichneten die Uhren mit einem Exportpreis von über 3000 Franken laut der Mitteilung als einzige Kategorie eine Zunahme, sowohl in Bezug auf die Anzahl exportierter Einheiten (+4,1%) als auch in Bezug auf den Preis (+10,1%).

Günstigere Uhren, allen voran diejenigen mit einem Exportpreis von unter 500 Fr., verzeichneten hingegen einen Rückgang, sowohl bei der Anzahl als auch beim erzielten Exportpreis.

USA und China führen Tanz um wichtigsten Exportmarkt fort

Beim wichtigsten Exportmarkt haben die USA China erneut auf den zweiten Platz verwiesen. Das war bereits im Februar der Fall, im März war dann aber wieder China das wichtigste Exportland. Im April hatten die USA laut der Statistik des Verbands einen Anteil von 13,1% am Gesamtmarkt. China folgt mit einem Anteil von 12,8% dicht auf die USA.

Die Exportleistung variierte in den wichtigsten Märkten stark. In China war das Wachstum gegenüber dem Basisjahr 2019 mit +75% am deutlichsten, was laut dem Verband einerseits damit zu tun hat, dass in China der Heimmarkt wuchs. Andererseits haben chinesischen Kunden aber auch Uhren im Inland gekauft, die sie unter anderen Umständen eher auf Reisen erworben hätten.

Auch der Markt in den Vereinigten Staaten wuchs um 14,6%. Hingegen gingen die Uhrenexporte nach Hongkong (-24,8%) und Japan (-11,7%) stark zurück. Auch in Europa war der Export mit insgesamt -5,1% rückläufig, vor allem in Deutschland, Italien und Frankreich, wie es heisst.Monaten dürfte der Vorjahresvergleich weiterhin positiv ausfallen. Denn auch im Mai 2020 verharrten die Uhrenexporte unter der Marke von 1 Mrd. Fr., ehe sie sich dann langsam erholten.

Exporte stagnieren auf hohem Niveau

Gesamthaft hat die Schweizer Exportwirtschaft im April stagniert. Dies geschah jedoch auf einem hohem Niveau. Konkret erreichten die Ausfuhren im April saisonbereinigt einen Wert von 20,04 Mrd. Fr. und damit fast gleich viel wie im Vormonat März. Real – also preisbereinigt – resultierte eine Zunahme um 0,1%, wie den Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) vom Donnerstag zu entnehmen ist.

Die Zollverwaltung verweist in ihrer Mitteilung auf den starken Anstieg im Vormonat, als bereits die 20-Milliarden-Marke überschritten wurde. Vor der Krise hatte die Schweizer Exportwirtschaft zum Teil ebenfalls schon Waren im Wert von über 20 Mrd. Fr. pro Monat ins Ausland abgesetzt. Als die Krise eskalierte, sanken die Ausfuhren dann auf gut 16 Milliarden Franken.

Bei den Importen kam es im April zu einer klaren Zunahme. Sie stiegen um 3,5% auf 16,75 Mrd. (real: +2,2%). Für die Handelsbilanz ergibt dies einen Überschuss von 3,29 Mrd. Fr.

Pharma bremst

Die Mehrheit der Warengruppen habe zwar im April ein Plus aufgewiesen, schreibt die Zollverwaltung. Doch hätten leicht rückläufige Ausfuhren im wichtigen Bereich Chemie/Pharma das Gesamtbild getrübt. Mit positiven Ergebnissen warteten laut den Angaben insbesondere die Sparten Metalle, Uhren, Präzisionsinstrumente sowie Maschinen und Elektronik auf, die damit ihren Wachstumstrend der Vormonate bestätigt hätten.

Aufgeschlüsselt nach Absatzmärkten entwickelten sich die Ausfuhren nach Europa (+2,9%) deutlich besser als jene nach Asien (-2,4%) und Nordamerika (-12,7%). Der Rückgang der Exporte nach Nordamerika sei primär eine Folge von geringen Pharmaausfuhren, so die Zollverwaltung. Sie erinnert ausserdem daran, dass die Ausfuhren in diese Region im Vormonat in die Höhe geschnellt waren.