Unternehmen / Konsum

Hayek rechnet mit schneller Erholung

Der Chef der Swatch Group gibt sich auch in der Krise optimistisch. Der Uhrenverbandspräsident geht aber von einem Einbruch der Exporte von bis zu 30% aus.

(AWP) Swatch-Chef Nick Hayek geht für den Bieler Uhrenkonzern von einem schwierigen Geschäftsjahr 2020 aus. «Es wird ein Jahr, das ganz klar tiefe Spuren im Resultat hinterlässt», sagte Hayek im Gespräch mit der «Bilanz» (Vorabdruck vom 26.05.). Doch Hayek rechnet mit einer schnellen Erholung der Branche.

«Die Nachfrage wird in der zweiten Hälfte des Jahres jene vom letzten Jahr übertreffen», ist der Hayek überzeugt. Ein Nachholbedarf sei bereits in Korea, Taiwan und China spürbar, also in jenen Ländern, die am schnellsten aus der Pandemie-Situation kamen.

«Die Leute haben immer Lust, zu konsumieren», sagte Hayek weiter. Für die Swatch Group (UHR 190.3 -0.73%) ist es beim Wiederaufschwung von Vorteil, dass über ein Drittel des Umsatzes in Greater China (Festlandchina, Taiwan, Hongkong und Macau) erzielt werden.

Uhrenverband rechnet mit Einbruch von bis zu 30%

Beim Schweizerischen Uhrenverband FH geht man im laufenden Jahr von einem deutlichen Rückgang der Uhrenexporte aus. Der Verband rechnet 2020 mit einem Exportrückgang um 25 bis 30%. Dies sagte FH-Präsident Jean-Daniel Pasche am Donnerstag an der Generalversammlung des Dachverbandes gegenüber der Nachrichtenagentur AWP.

In den ersten fünf Monaten waren die Ausfuhren von Zeitmessern «Made in Switzerland» um knapp 36% auf 5,7 Mrd. Fr. gesunken. Wie Hayek rechnet aber auch Pasche damit, dass sich die Situation in den kommenden Monaten allmählich verbessern wird.

Swatch Group hofft auf Wachstum im Internet

Wachstum soll laut Hayek auch aus dem Onlinemarkt kommen. Bisher erzielt die Swatch Group nur rund 5% ihres Umsatzes im Internet. Um das zu ändern, hat Omega eine neue Online-Plattform für Europa eröffnet, weitere Länder dürften bald folgen. In den USA geht Hayek mit der Marke Swatch in die Offensive. Das interne Ziel, 20% des amerikanischen Umsatzes im Swatch-Webshop abzuwickeln, bezeichnet er heute als zu wenig ambitiös.

An der Börse sieht Hayek die Swatch Group als «total unterbewertet» an. Der Wert der Aktie sei momentan tiefer als ihr Bilanzwert. Deshalb habe man im Rahmen der Erbengemeinschaft Aktien hinzu gekauft. An ein Going-private denkt Hayek aber nach wie vor nicht: «Das ginge nur über Schulden, und das wollen wir nicht.»

Hayek bleibt Chef

Hayek will auch mit 65 Jahren noch weiter an der Spitze des Swatch-Gruppe bleiben. «Zumindest solange es mir Spass macht und die anderen mich natürlich noch wollen», sagte er. Die Firma sei aber auch gut aufgestellt, und es gebe eine nächste Generation.

Auf die Frage, ob sein Neffe Marc dereinst das Ruder übernehmen werde, erklärte Nick Hayek: «Marc macht einen super Job. Er hat sicher, ohne Zweifel, das Potenzial, die Swatch Group erfolgreich zu führen.»

Der heutige Blancpain-Chef Marc Hayek soll aber einst selber über seine Zukunft entscheiden. «Er soll sich nicht gezwungen fühlen. Auch meine Schwester und ich waren nicht gezwungen, Präsidentin des Verwaltungsrats oder CEO zu werden», so Hayek weiter.

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