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Die Fondsmanager werden pessimistischer

Gemäss einer Umfrage vertrauen professionelle Anlager weniger in Gewinn- und Wirtschaftswachstum. Besonders Technologieaktien werden als zu beliebt angesehen.

Alexander Trentin

Die Fondsmanager haben im Juni US-Aktien und defensive Titel hinzugekauft: Gefragt waren Versorger, der Gesundheitssektor und kotierte Immobilienfonds (REIT). Abgestossen wurden dagegen Banken sowie Aktien aus der Eurozone, aus Schwellenländern und dem Sektor Industrie. Das zeigt die monatliche Umfrage von Bank of America (BAC 27.825 -0.27%) Merrill Lynch unter professionellen Investoren.

Im historischen Vergleich am stärksten übergewichtet sind Banken, Immobilienfonds, zyklischer Konsum (Discretionary), Barpositionen und Rohstoffe. Dagegen sind britische Aktien, der Gesundheitssektor und Industrietitel in den Portfolios untergewichtet.

Woher kommt die neue Lust an US-Aktien? Es hat wohl mit den Gewinnerwartungen zu tun. Die Fondsmanager wurden befragt, wie sie die Gewinnerwartungen für die verschiedenen Märkte einschätzen. Die Zahl zeigt den Unterschied zwischen den Prozentanteilen von Optimisten und Pessimisten unter den Befragten. Für Schwellenländer (GEM), Europa und Japan gibt es immer weniger Optimisten für die Gewinnaussichten. Der Pessimismus für britische Unternehmen ist immer noch vorhanden, geht aber zurück.

In einer rasanten Aufholbewegung seit Mitte vergangenen Jahres sind US-Unternehmen. Eine grosse Mehrheit der Fondsmanager glaubt, dass die USA den Rest der Welt bei den Gewinnen hinter sich lassen werden.

Technologietiteln wird misstraut

Zu den wichtigsten Treibern der Börsenrally gehören die Technologieriesen in den USA (FAANG – Facebook (FB 139.56 -2.98%), Apple (AAPL 193.67 1.18%), Amazon (AMZN 1593.11 -1.63%), Netflix (NFLX 283.7632 -2.17%) und Google (GOOGL 1061.52 -0.89%)) und in China (BAT – Baidu (BIDU 185.04 -1.79%), Alibaba (BABA 153.6 -1.68%), Tencent (Tencent 37.19 -1.17%)). Schon im Mai war den Fondsmanagern der Kurserfolg der Titel nicht geheuer. Nun hat sich der Anteil der Befragten noch einmal deutlich vergrössert, die das Halten der Technologievaloren als «Most Crowded Trade» sehen – als am meisten überlaufene Wette an den Finanzmärkten.

Zurückgegangen ist dagegen der Anteil der Befragten, die eine Verkaufsposition (Short) in US-Staatsanleihen für zu beliebt halten.

Gewinnausblick eingetrübt

Über alle Unternehmen hinweg hat sich der Gewinnausblick gemäss den befragten Investoren deutlich eingetrübt. Eine immer grösser werdende Mehrheit der Fondsmanager glaubt an sinkende Gewinnmargen. Anfang Jahr war die Zahl der Optimisten und der Pessimisten noch ausgeglichen. Das verheisst nichts Gutes: Das letzte Mal, als die Pessimisten Ende 2015 immer stärker überhandnahmen, folgte an den Börsen eine Korrektur.

Negativ für die Aktien wird auch wirken, dass die Unternehmen nach Ansicht von immer mehr Befragten übermässig verschuldet (Overleveraged) sind. 42% der Anleger glauben, dass die Firmen zu viel Fremdkapital aufgenommen haben. Das ist eine Rekordzahl. Selbst während der Finanzkrise 2008 war der Anteil der Schulden-Warner geringer.

Wie lange kann es noch gutgehen? Für den S&P 500 (SP500 2728.38 -0.07%) sehen die meisten Fondsmanager die Spitze auf etwa 3100 Punkten erreicht. Das sind rund 11% mehr als der jetzige Indexstand. Etwa 15% glauben, dass das Hoch des gegenwärtigen Börsenzyklus mit dem Jahreshoch im Januar schon erreicht wurde.

Schlechtere Wachstumsaussichten

Die pessimistischen Erwartungen für die Unternehmensgewinne scheinen auf einem makroökonomischen Ausblick zu basieren. Erstmals seit Mitte 2016 halten sich die Zahl der Pessimisten und diejenige der Optimisten für die Weltwirtschaft die Waage. Noch Anfang Jahr hatten die Befragten, die eine stärkere Weltwirtschaft erwarten, eine Mehrheit von 40 Prozentpunkten.

Gleichzeitig scheinen sich die Fondsmanager bei ihrem Ausblick in Richtung Stagflation zu bewegen. Denn trotz um sich greifendem Wachstumspessimismus erwartet eine grosse Mehrheit eine weltweit anziehende Inflation.

Handelskrieg als Extremrisiko

Die Mehrheit der Fondsmanager fürchtet sich diesen Monat vor einem Handelskrieg. Im Mai wurde noch eine zu straffe Geldpolitik der US-Notenbank oder der Europäische Zentralbank als grösstes «Tail Risk» genannt (ein Extremrisiko mit niedriger Eintrittswahrscheinlichkeit und grosser Auswirkung).

Neu hat ein Viertel der Befragten angegeben, dass sie eine Schuldenkrise in der Eurozone oder in den Schwellenländern als gefährlichstes Extremrisiko sehen.

Die Historie der Antworten zur Frage nach dem Tail Risk zeigt eine Geschichte der Angst an den Märkten. Bis zum Jahr 2013 dominierte die Eurokrise viele Monate als Grund für Panik an den Märkten. Danach trieb bis Anfang 2016 immer wieder ein Wachstumseinbruch in China die Fondsmanager als grösste Gefahr um. Seit Anfang 2018 ist es die Aussicht auf einen Handelskrieg, angetrieben durch die aggressive Politik und Rhetorik von US-Präsident Donald Trump, die (ausser im vergangenen Monat) am häufigsten als Extremrisiko genannt worden ist.

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