Meinungen

Und sie lohnen sich doch

Anleihen haben dieses Jahr erstaunlich gut abgeschnitten und das obwohl vielerorts die Zinsen auf oder unter null liegen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Andreas Neinhaus.

«Die Erfahrung mit Corona zeigt, dass Zinspapiere auch dann sinnvoll sind, wenn sie keinen oder nur wenig Zins abwerfen.»

In Zeiten, in denen die ­Aktienkurse steigen und die Zinsen auf oder gar unter null liegen, haben es Anleihen schwer. So zumindest das Vorurteil. Tatsächlich belegen die vergangenen Monate das Gegenteil: Das schreckliche Coronajahr 2020 hat sich für Anleihen als nicht so schrecklich erwiesen. Die meisten Staats- und Unternehmensanleihen liefern dank Kursgewinnen einen positiven Gesamtertrag

Auf Schuldnerseite ist gar ein Wettrennen im Gang. Das Motto: Wer kann günstiger mehr Geld aufnehmen? Letzte Woche emittierte Alphabet (GOOGL 1430.14 -1.44%), der Mutterkonzern von Google, sechs Anleihen mit Laufzeiten bis zu vierzig Jahren. Er nahm 10 Mrd. $ ein, zu den günstigsten Konditionen, die ein US-Konzern je bezahlen musste. Das Emissionsvolumen in den USA und Europa übertrifft alle Vergleichswerte in diesem Jahrtausend.

Ein Schelm also, wer jetzt keine Schulden macht. Aber was treibt Anleger in Anleihen? Die Erfahrung mit Corona zeigt, dass Zinspapiere auch dann sinnvoll sind, wenn sie keinen oder nur wenig Zins abwerfen. Dank der negativen Korrelation zu Aktien helfen sie, das Portefeuille zu diversifizieren. Mischfonds, die in verschiedenen Anlagen engagiert sind, kommen nicht um Anleihen aus Kerneuropa oder US-Treasuries herum. Aber auch Kleinanleger schaffen mit einer sorgfältigen Auswahl von Firmen- und Staatspapieren Mehrwert.

Die Notenbanken versüssen Anlageentscheide zugunsten von Obligationen. Sie kaufen Anleihen auf und stützen so den Kurs. Zudem geben sie zu verstehen, dass sie die Zinsen noch Jahre niedrig bleiben. Die Gefahr einer Korrektur bzw. herber Kursverluste ist also weitgehend gebannt.