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UniCredit treibt angeblich Plan für Commerzbank-Übernahme voran

Insidern zufolge habe die italienische Investmentbank Lazard und JPMorgan als Berater für eine mögliche Übernahmeofferte engagiert.

(Reuters) Die italienische Grossbank Unicredit treibt ihre Planungen für eine mögliche Übernahme der Commerzbank (CBK 6.211 2.75%) Insidern zufolge voran. Unicredit habe die Investmentbanken Lazard und JP Morgan als Berater für eine mögliche Übernahmeofferte engagiert, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Der Mailänder Finanzkonzern, der 2005 bereits die Münchener HypoVereinbank (HVB) schluckte, ist schon seit längerem an einem Ausbau seines Deutschland-Geschäfts interessiert. Ein Zusammenschluss mit der Commerzbank würde zu dem Ziel von Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier passen, die Abhängigkeit vom italienischen Heimatmarkt weiter reduzieren.

Die Commerzbank-Aktie drehte nach der Nachricht ins Plus und gewann gut 4%. Die Unicredit-Papiere weiteten ihre Verluste aus und notierten 2,6% niedriger.

Die Investmentbank Lazard, für die der ehemalige Finanzstaatssekretär und Notenbanker Jörg Asmussen arbeitet, solle helfen, skeptische Politiker in Berlin für eine Fusion der Commerzbank mit den Italienern zu gewinnen, sagte einer der Insider. Der Staat hat bei der zweitgrössten deutschen Privatbank ein gewichtiges Wort mitzureden, da er nach der Rettung des Instituts in der Finanzkrise immer noch 15,6% besitzt. Unicredit, JP Morgan, Lazard, die Commerzbank und das Bundesfinanzministerium lehnten eine Stellungnahme ab.

Gewerkschaft läuft Sturm

Die Gewerkschaft Verdi hat bereits Widerstand gegen eine mögliche Übernahmeofferte der Unicredit angekündigt. «Bevor wir mit Italienern fusionieren, würde sehr viel Blut fliessen», hatte Commerzbank-Aufsichtsratsmitglied Stefan Wittmann am Montag gesagt. Das Beispiel der Münchner HVB zeige, dass nach einer Übernahme durch die UniCredit «nicht mehr viel übrig bleibt».

Seit der 15 Mrd. € schweren Übernahme durch die Italiener ist die HVB kräftig geschrumpft: Beteiligungen wurden verkauft, das Filialnetz auf etwa die Hälfte eingedampft und zahlreiche Jobs gestrichen. Ihre nationalen Ambitionen hat die HVB – einst die zweitgrösste Privatbank des Landes – im Privatkundengeschäft längst aufgegeben. Sie konzentriert sich auf ihre angestammten Regionen in Bayern und rund um Hamburg.

Für Mustier ist die Commerzbank unter anderem wegen ihrer Einlagen attraktiv, weil die Refinanzierung italienischer Banken im Zuge des Haushaltskonflikts zwischen der EU-Kommission und Italien deutlich teurer geworden ist. Fraglich ist allerdings, inwieweit Unicredit die Gelder tatsächlich nutzen könnte. In der Vergangenheit sahen die hiesigen Aufseher den Transfer von Milliarden von der HVB nach Mailand mit Sorge. Mit der Übernahme der Bankenaufsicht über die grössten Institute durch die EZB ist der Widerstand geringer geworden, aber nicht verschwunden.

Die italienischen Aktionäre der Unicredit würden jeden Deal positiv sehen, der den Aktienkurs von Unicredit ankurbeln würde, sagte ein Insider. Einige machten sich aber Sorgen, dass die Bank ihre italienischen Wurzeln verlieren könnte.

Mustier hatte erst vor kurzem angekündigt, den Bestand an italienischen Staatsanleihen zu senken, der als Hindernis für eine mögliche Fusion gilt. Auf die Frage, ob er Unicredit so für eine grenzüberschreitenden Zusammenschluss wappnen wolle, sagte Mustier vergangene Woche bei der Vorlage der Zahlen: «Unser Bekenntnis zu Italien war noch nie grösser.»

Auch ING buhlt um die Commerzbank

Doch Unicredit droht im Werben um die Commerzbank Konkurrenz von anderen Banken. Insidern zufolge hat auch die niederländische ING ihre Fühler ausgestreckt. Manche Experten halten es für möglich, dass die Niederländer im Falle einer Fusion ihren Sitz nach Frankfurt verlegen könnten. Damit könnte die ING auch bei Verdi punkten.

Die Commerzbank selbst hat zuletzt versucht, Fusionsspekulationen zu dämpfen. Er sehe im Moment kein grosses Bieterrennen auf die Commerzbank zukommen, sagte Finanzchef Stephan Engels vergangene Woche. «Ich höre hier jetzt nichts klopfen», sagte Engels als er gefragt wurde, welche Auslandsbanken bei der Commerzbank Interesse angemeldet hätten.

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