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Unilever und GlaxoSmithKline pokern um Milliardendeal

Der Konsumgüterhersteller hatte 50 Mrd. £ für die Konsumgütersparte geboten. Der Pharmariese hielt den Betrag für unzureichend.

(Reuters) Der Langnese-Eis-Hersteller Unilever gibt sich im Poker um die Konsumgütersparte des Pharmariesen Glaxosmithkline (GSK) nicht geschlagen. GSK lehnte die 50 Mrd. £ (60 Mrd. €) schwere Offerte zwar ab, ist Insidern zufolge aber bei einem höheren Gebot bereit für Gespräche. Unilever sagte am Montag, der Hersteller von Sensodyne-Zahnpasta passe strategisch gut in den Konzern und gemeinsam sei Wachstum in den USA, China und Indien möglich. Investoren hegten Zweifel an dem Vorhaben.

Eine Übernahme mit diesem Volumen wäre weltweit die grösste seit Beginn der Coronavirus-Pandemie und eine der teuersten in Grossbritannien überhaupt. Unilever könnte dadurch sein Schönheits- und Körperpflegeportfolio mit Marken wie Rexona oder Dove stärken und es mit Konzernen wie Estee Lauder und L’Oreal aufnehmen. GSK würde dem Druck von Investoren nachgeben, die seit längerem auf eine Abspaltung der Konsumgütersparte und eine Fokussierung auf das Pharmageschäft drängen. Am Konsumgütergeschäft ist allerdings auch der US-Pharmakonzern Pfizer (PFE 48.29 -3.32%) mit 32% beteiligt, seit beide Firmen ihre Sparten 2019 zusammenlegten.

GSK hatte die 50 Mrd. £ schwere Offerte mit der Begründung abgelehnt, sie sei zu niedrig. Stattdessen soll die Sparte an die Börse gebracht werden. Ein Insider sagte jedoch, GSK und Pfizer seien offen für Gespräche mit Unilever (ULVRl 39.12 -1.06%)-Chef Alan Jope, wenn dieser sein Angebot erhöhe. Das Konsumgütergeschäft könne gut als eigenständiges Unternehmen an der Börse bestehen und eine Marktkapitalisierung von fast 100 Mrd. $ erreichen. «Eine Abspaltung über die Börse könnte derzeit mehr Wert schaffen, aber wenn Unilever bereit ist, über die Grenze von 60 Mrd. £ zu gehen, könnten die Verhandlungen starten», sagte die mit den Plänen vertraute Person.

Insidern zufolge hat GSK-Chefin Emma Walmsley bereits die Investmentbanken Goldman Sachs (GS 351.68 +1.08%) und Citi engagiert. Pfizer und GSK wollten sich dazu nicht äussern.

Ist der Preis zu hoch?

Das erste Feedback von Investoren auf die Offerte von Unilever sei durchweg negativ, schrieben Analysten von Jefferies in einem Kurzkommentar. Experten von Barclays (BARCl 1.70 -0.22%) wiesen darauf hin, dass eine solche Mega-Transaktion schon in normalen Zeiten komplex und in der aktuellen Corona-Pandemie noch viel schwieriger umzusetzen sei. «Wir sehen kaum Rechtfertigung für einen derartigen Deal, weder strategisch, noch operativ oder finanziell», kritisierte Analyst James Edwardes Jones von der Investmentbank RBC Capital Markets. Aktienstratege Michael Hewson vom Broker CMC Markets (T8Q 3.00 +2.04%) sagte, der gebotene Preis könne eine Nummer zu gross sein für Unilever.

Die Konsumgütersparte erlöste zuletzt zehn Milliarden Pfund und steuerte damit fast ein Drittel zum gesamten Jahresumsatz von GSK bei. Der Konzern erhielt nach eigenen Angaben bereits mehrere Angebote von Unilever, zuletzt kurz vor Weihnachten in Höhe von 41,7 Mrd. £ (50 Mrd. €) in bar und 8,3 Mrd. £ (zehn Mrd. €) in Unilever-Aktien. Im vergangenen Jahr hatte der aktivistische Investor Elliott einen Verkauf der GSK-Sparte gefordert. Wenn sich GSK komplett davon trenne, könne dies den Aktienkurs um 45% nach oben treiben, hatte Elliott vorgerechnet.

Auch der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson (JNJ 167.14 -2.07%) (J&J) spaltet sein Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten und anderen Gesundheitsprodukten ab. Derzeit gibt es weltweit eine Welle solcher Unternehmens-Aufspaltungen oder Trennungen von Sparten. Sie folgen der Theorie, dass Mischkonzerne an der Börse oft niedriger bewertet werden als ihre Einzelteile.