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Märkte / Rohstoffe

Unruhe im Nahen Osten treibt Ölpreis

Saudi-Arabien sieht sich nach dem Rücktritt des libanesischen Ministerpräsidenten Saad al-Hariri herausgefordert. Die Unsicherheit bewegt den Ölmarkt.

(Reuters/GAH) Unter dem Eindruck der innenpolitischen Lage in Saudi-Arabien steigt der Ölpreis weiter. Nordseeöl der Sorte Brent (Brent 68.659 -0.91%) verteuerte sich auf mehr als 64 $ je Fass – das ist der höchste Stand seit Juni 2015. US-Leichtöl WTI (WTI 63.38 -0.92%) kostete mit 57.40 $ und damit ebenfalls so viel wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Angesichts der Regierungskrise in Libanon rückten Fundamentaldaten derzeit in den Hintergrund, erklärte Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht. Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Saad al-Hariri, würden die Spannungen im Nahen Osten förmlich sichtbar.

Der grösste Ölförderer des Ölkartells Opec, Saudi-Arabien, sieht sich nachdem Rücktritt vom Libanon herausgefordert. Die libanesische Regierung werde als eine Regierung behandelt, «die Saudi-Arabien den Krieg erklärt», sagte der Golfminister des Königreichs, Thamer al-Sabhan, am Montag dem Sender Al-Arabija.

Zur Begründung verwies er auf die libanesische Hisbollah-Miliz, die von Saudi-Arabiens Erzrivalen Iran unterstützt wird. Er warf ihr Aggression vor. Hariri hatte seinen Entscheid mit Angst um sein Leben begründet. Er warf dem Iran und der Hisbollah vor, Zwietracht in der Region zu schüren.

Libanesische Regierung reagiert nicht

Sabhan sagte, «es gibt diejenigen, die [Hisbollah] stoppen und dazu bringen werden, in die Höhlen im Süden des Libanon zurückzukehren». Den Libanesen müssten diese Risiken bewusst sein. Sie müssten «die Angelegenheit» richten, «bevor sie an den Punkt gelangen, von dem es keine Rückkehr gibt».

Die libanesische Regierung reagierte zunächst nicht auf Sabhans Worte. Die Hisbollah ist sowohl eine mächtige militärische als auch eine politische Organisation, die im Parlament des Libanon und in der Regierungskoalition vertreten ist, die unter Hariri im vergangenen Jahr gebildet wurde.

Bereits am Wochenende hatte ein politisches Ereignis in der Region dem Ölpreis zu einem Gewinn verholfen. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed baute seine Macht durch die Festnahme zahlreicher Prinzen und Spitzenpolitiker im Rahmen einer Anti-Korruptionskampagne aus.

Unter den Festgenommen soll auch Prinz Alwalid bin Talal sein, einer der wichtigsten Geschäftsmänner des Landes, und Prinz Miteb bin Abdullah, bislang Minister der Nationalgarde.

Zu den Reformplänen des Kronprinzen zählen auch Privatisierungen. So soll der weltweit grösste Ölkonzern des Landes Aramco im nächsten Jahr an die Börse gehen. Für dessen Marktkapitalisierung wäre ein hoher Ölpreis förderlich.

Saudi-Arabien dürfte an Förderbremse festhalten

Analysten erwarten, dass Saudi-Arabien an seiner Opec-Politik festhalten wird. Das Kartell dürfte die Vereinbarung mit Partnerländern wie Russland über eine im März 2018 auslaufende Förderbremse verlängern, erwarten Analysten wie jene von Commerzbank (CBK 13.35 1.66%). Dies ist gemäss Jan Edelmann von der HSH Nordbank aber auch nötig, damit die Ölschwemme eingedämmt werden kann und die Notierung nicht wieder fällt.

Zusätzliche Unterstützung erhielt der Ölpreis auch von den jüngsten Daten aus den USA: Gemäss Angaben des Öldienstleisters Baker Hughes ist die Zahl der aktiven Bohrlöcher erneut überraschend gefallen.

Die Analysten von Barclays (BARC 200.1 0.47%) erhöhten ihre Preisprognose für Brentöl bis Ende Jahr von 54 auf 60 $ je Fass. HSH Nordbank und Commerzbank halten dagegen – angesichts der unveränderten Fundamentaldaten – an ihrer Erwartung fest. Demnach würde der Fasspreis bis Ende Jahr wieder mehr als 10% korrigieren.