Meinungen

Unsafe Haven

Mit vermeintlich sicheren Anlagen wie Gold und Nestlé-Aktien fahren Investoren derzeit Verluste ein. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Rohner.

«Nur auf Qualität zu setzen, ist blauäugig.»

An den Börsen jagen sich die Rekorde. Das freut die Anleger. Doch die Mehrheit dürfte wenig von der jüngsten Hausse haben. Denn die Kursavancen fanden in den vergangenen Monaten vor allem in denjenigen Segmenten statt, aus denen sich die Privatinvestoren tendenziell zurückgezogen haben.

Sie stehen wegen der unsicheren Konjunkturaussichten auf der vorsichtigen Seite. Ihre Depots sind voll mit defensiven Qualitätsaktien: Diese halten sich besser, wenn sich die Konjunktur eintrübt, und sie sind dank der stabilen Dividende ein guter Ersatz für die negativ rentierenden Anleihen.

Doch diesen Sommer hat sich das Blatt gewendet. Seit die Bondrenditen Boden gefunden haben und tendenziell wieder anziehen, steigen die riskanteren Segmente des Aktienmarkts. Wer auf sichere Häfen und defensive Anlagen gesetzt hat, sieht alt aus. Gold (Gold 1560.99 0.24%), langfristige Staatsanleihen, Qualitätsaktien wie Nestlé (NESN 107.14 0.53%) und Unilever sowie Bondersatz-Aktien aus dem Immobiliensektor haben in den vergangenen Monaten deutlich Terrain eingebüsst. Denn die Rezessionsängste sind der Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung gewichen.

Das zeigt einmal mehr, wie wichtig eine breite Diversifizierung über alle Anlagen und Faktoren ist. Nur auf Qualität zu setzen, ist ebenso blauäugig, wie das Portfolio auf ein paar riskanten Nebenwerten aufzubauen. Gut möglich, dass in der nächsten Marktphase defensive Anlagen wieder die Nase vorn haben werden, weil sich der erhoffte Konjunkturaufschwung nicht einstellt. Genauso gut ist aber auch das Gegenteil möglich: Weil alle auf defensiven Titeln sitzen, kann das für Anleger noch schmerzhafter werden als eine Rezession.

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