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Unser Systemfehler beim Pflegepersonal

Mathias Binswanger

In der Schweiz herrscht ein Mangel an Fachkräften. Besonders ausgeprägt ist der Mangel im Bereich des Gesundheitswesens, wo zurzeit rund 12’000 Stellen unbesetzt sind. Rund die Hälfte der ausgeschriebenen Stellen entfällt dabei allein auf Pflegeberufe. In absoluten Zahlen ausgedrückt hat sich der Fachkräftemangel in keiner anderen Branche so stark verschärft. Das sollte eigentlich ein Anreiz sein, die Arbeitsbedingungen in diesen Berufen attraktiver zu gestalten und die Löhne zu verbessern. Doch nichts dergleichen geschieht. Die in der Pflege tätigen Menschen beklagen sich seit Jahren über Stress, Überlastung und zu wenig Lohn. Nicht überraschend verlassen deshalb 4 von 10 Pflegenden ihren Beruf frühzeitig.

Deshalb stellt sich die Frage: Warum bleiben Berufe schlecht bezahlt, bei denen die Nachfrage das Angebot übersteigt? Und weshalb werden die Arbeitsbedingungen nicht attraktiver? Dafür gibt es mehrere Gründe, die den Mangel stets weiter verschärfen. Die tiefen Löhne haben entscheidend damit zu tun, dass Pflegekräfte dank der Personenfreizügigkeit auch aus EU-Ländern rekrutiert werden können. Im Vergleich zu den dort bezahlten Löhnen ist die Bezahlung in der Schweiz attraktiv, auch wenn dies für Schweizerinnen und Schweizer nicht mehr gilt.

Also sind ausländische Pflegefachkräfte gerne bereit, zu gegenwärtig bezahlten Löhnen in der Schweiz zu arbeiten. Seit 2009 sind pro Jahr konstant mehr als 1000 Pflegefachkräfte netto in die Schweiz eingewandert und auch die Zahl der Grenzgängerinnen und Grenzgänger hat zugenommen. Gemäss Medinside.ch stammen heute 36% der Pflegefachpersonen aus dem Ausland. Im Kanton Genf sind es sogar 70% und auch in den übrigen Kantonen der Romandie liegt der Anteil bei über 50%.

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