Das Rathaus von Tel Aviv glänzt in den panarabischen Farben: Die Stadtregierung liess sich das einfallen, nachdem am 13. August Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – deren Flagge hier strahlt – ihre Absicht bekanntgegeben hatten, einen Friedensvertrag zu schliessen. Iran und die Türkei verurteilen den überraschenden Deal, doch arabische Regierungen schweigen dazu oder begrüssen ihn. Es wird darüber spekuliert, wer dem Beispiel folgen könnte: Bahrain? Oman? Marokko? Arabische Staaten haben handfeste Eigeninteressen, um mit dem jüdischen Staat ins Geschäft zu kommen, offenbar Palästina hin oder her. Wirtschaftliches spielt für die Emirate wie für Israel eine zentrale Rolle. Beide Länder sind in dieser Region Standorte für Spitzentechnologie und haben grosses Investitionspotenzial; kurz nach der Bekanntgabe des Normalisierungsprozesses schlossen Unternehmen aus den VAE und Israel erste Abkommen. Aussenpolitisches fällt für beide Seiten ähnlich ins Gewicht: Emirati wie Israeli wollen sich die Gunst des Verbündeten USA erhalten. Das Rapprochement dürfte ein Signal dafür sein, dass man sich unter Washingtons Freunden anzunähern weiss, egal, wer im Weissen Haus sitzt.

(Bild: AP Photo/Oded Balilty)