Meinungen

Untergewichten?

Der US-Bondmarkt und Schweizer Aktien sind eng miteinander verknüpft. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Steigende US-Bondrenditen sind besonders für Schweizer Aktien schlechte Kunde.»

In diesen Zeiten scheinen so gut wie alle klassischen Bewertungsmethoden ausser Kraft. Umso wichtiger ist da ein Blick auf die Ausführungen der Strategen grosser Finanzhäuser, um Regeln zu finden, die auch in einem solchen ­Umfeld ihre Gültigkeit behalten.

Dabei bin ich über einen Kommentar der Bank of America (BAC 23.49 0.64%) (BofA) gestolpert. Ihre Strategen empfehlen, die Schweiz unterzugewichten. Sie weisen darauf hin, dass sich der Schweizer Markt seit Mitte Mai im Vergleich zu anderen grossen Märkten 5% schlechter entwickelt hat. Bis Dezember sei mit weiteren 8% ­Underperformance zu rechnen. Schlechte Kunde für Investoren, die ihr Glück in der Heimat suchen. 

Warum diese Skepsis, fragen Sie sich zu Recht. BofA hat über die Jahre festgestellt, dass die Performance von Schweizer Aktien besonders eng an die Rendite von US-Staatsanleihen gekoppelt ist. Auf den Punkt gebracht geht das wie folgt: Steigt die Rendite, entwickeln sich Schweizer Aktien schlecht, sinkt sie, treibt das die Kurse. In den letzten zwei Jahren, als die Rendite der zehnjährigen Bonds 250 Basispunkte zurückkam, war der Schweizer Markt mit 40% Outperformance der grosse Gewinner. 

Der Schweizer Markt ist von defensiven Titeln, allen voran Pharma, geprägt. Sie bleiben in der Regel zurück, wenn sich die Wirtschaft erholt. BofA rechnet mit höheren US-Bondrenditen und begründet das mit der Erholung des Einkaufsmanagerindex. So lief das in den letzten zwanzig Jahren immer ab. Merken Sie sich die Regel: Steigende US-Bondrenditen sind besonders für Schweizer Aktien schlechte Kunde. Zwei Vorbehalte: Seit Mitte Mai ist die Rendite leicht gefallen, und gegen Roche (ROG 330.95 -0.26%) und Novartis (NOVN 80.31 0.14%) zu wetten, würde ich nie empfehlen.