Meinungen

Unternehmertum wird fehlen

Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann tritt nach acht Jahren zurück. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

«Etwas überspitzt formuliert macht derjenige Wirtschaftsminister den besten Job, der möglichst wenig in die Märkte eingreift.»

Nachdem gewisse Medien schon lauthals den Rücktritt von Wirtschaftsminister Johann N. Schneider-Ammann verkündet hatten, sah er sich genötigt, seine ursprünglich für Freitag geplante Ankündigung vorzuziehen. Ein bisschen hat er sich dies auch selbst zuzuschreiben. Schon vor längerem hielt er fest, das sei seine letzte Legislatur. Dasselbe tat auch Bundesrätin Doris Leuthard – und hatte so für Verwirrung gesorgt. Es würde nicht überraschen, wenn auch sie in der laufenden Woche noch ihren Rücktritt ankündigen würde. Wollen Bundesräte Spekulationen und mediale Schnellschüsse vermeiden, verzichten sie künftig tunlichst auf derartige Aussagen.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann hatte nach eigenen Aussagen bei seiner Wahl nicht geplant, acht Jahre in der Regierung zu bleiben; der wachsende Spass am Amt habe dazu geführt. Mit Schneider-Ammann verschwindet per Ende Jahr das unternehmerische Element im schlimmeren Fall für lange Zeit aus dem Bundesrat. Schneider-Ammann hatte zuvor während Jahren erfolgreich eine mittelgrosse Industriegesellschaft geführt, die Maschinenbaugruppe Ammann in Langenthal.

Die künftige Absenz des Unternehmertums in der Regierung ist für die Schweiz umso bedauerlicher, als das Land auf eine starke Wirtschaft und entsprechende Rahmenbedingungen angewiesen ist. Schneider-Ammann hat als Unternehmer die dafür notwendige Sensibilität mitgebracht, sich entsprechend eingesetzt und damit einiges erreicht.

Schneider-Ammann tauchte, auch im Vergleich zu seinen Amtskollegen, eher selten in den Schlagzeilen auf. Das hat zunächst mit seinem Naturell zu tun – auch als Unternehmer hatte er nie das Rampenlicht der Öffentlichkeit gesucht. Ihm war die Sacharbeit stets wichtiger – das hielt er auch als Bundesrat so. Zudem hat er als Wirtschaftsminister auf eine möglichst liberale Politik gesetzt und sich immer vom staatlichen Interventionismus distanziert – bisweilen auch in klarem Kontrast zu etlichen Amtskollegen.

Ein zentrales Anliegen war ihm stets der Freihandel. Schneider-Ammann brachte ein entsprechendes Abkommen mit China unter Dach und Fach. Derzeit laufen mit verschiedenen Ländern und Ländergruppen Verhandlungen. Sogar mit den USA könnte sich wieder eine entsprechende Gelegenheit ergeben.

Die ausgesprochen exportorientierte Schweiz ist auf möglichst offene internationale Märkte angewiesen – davon hat sich Schneider-Ammann leiten lassen. Etwas überspitzt formuliert macht derjenige Wirtschaftsminister die beste Arbeit, der möglichst wenig in die Märkte eingreift. Klar, dass er dann auch nicht allzu häufig im Fokus der Öffentlichkeit steht.

Gewiss, Johann Schneider-Ammann hat kommunikative Schwächen. Immerhin: An der Medienkonferenz zu seiner Rücktrittsankündigung war er durchaus auch humorvoll. Insgesamt hat er in den acht Jahren seiner Amtszeit gute Leistungen erbracht – es könnte sehr wohl sein, dass ihn die Wirtschaft noch schmerzlich vermissen wird.