Die Landgrenze Griechenlands zur Türkei ist einer der Korridore, über den Menschen aus dem näheren und dem ferneren Asien nach Europa streben – auf der Suche nach Sicherheit oder besserem Leben. Soeben ist dieser 40 km lange Zaun fertiggestellt worden; die Bewegungen am Flüsschen Mariza, griechisch Evros, werden elektronisch und von Grenzwächtern scharf beäugt. Zwischen dieser EU-Aussengrenze und Afghanistan liegen schliesslich nur zwei Länder, wenngleich grosse: die Türkei und Iran. Athen will nicht mehr so unter Druck kommen wie 2015. Aus den grossen Metropolen der EU – Brüssel, Berlin, Paris – wurde kein Protest laut gegen den neuen Wall, der ebenso abweisend wirkt wie derjenige, der die USA von Mexiko trennt. Als seinerzeit der Zustrom aus Syrien anschwoll, wurde Ungarns Premier Orbán, für die EU-Grosskopfeten allemal der Übeltäter vom Dienst, noch dafür gescholten, dass er einen Zaun zu Serbien hochzog. Litauen hat nun angekündigt, seine Grenze zu Belarus zu befestigen – Tyrann Lukaschenko schleust Migranten ein, um die EU gefügig zu machen. Lauter Zeiterscheinungen, die zum Ende der Ära Merkel passen: «Willkommen» ist nicht alternativlos, Grenzen lassen sich eben doch abriegeln.(Bild: AP Photo/Giannis Papanikos, File)