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UPC-Mutter verkauft Österreich-Geschäft

T-Mobile Austria übernimmt die Kabelnetzaktivitäten von Liberty Global im Nachbarland. Damit rückt die Frage nach der Zukunft des Schweizer Geschäfts wieder in den Fokus.

(Reuters/CC) – Der Kabelnetzbetreiber Liberty Global (LBTYA 32.22 0.44%) will sein Österreichgeschäft UPC Austria an die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile Austria verkaufen. Der Unternehmenswert von UPC Austria wird am Freitag auf 1,9 Mrd. € beziffert. Die Kombination beider Firmen werde die notwendige Grösse schaffen, um mit Wettbewerbern mitzuhalten, sagte Liberty-Global-Chef Mike Fries. Das Geschäft könnte im zweiten Halbjahr 2018 zum Abschluss kommen.

Damit stellt sich umso mehr die Frage, wie es mit dem Schweizer Geschäft von Liberty Global weitergeht. Ende November hatte die britische Zeitung «The Telegraph» mit Verweis auf Insider berichtet, auch ein Verkauf von UPC Schweiz werde geprüft. Motivation sein soll ein auf internationaler Ebene angestrebtes Zusammengehen von Liberty Global mit dem Telecomkonzern Vodafone (VOD 208.6 1.02%). UPC Schweiz könnte sowohl das Interesse von Sunrise als auch Salt auf sich ziehen. Marktführer Swisscom (SCMN 460.1 0.83%) kommt aufgrund wettbewerbsrechtlicher Hürden kaum in Frage.

Xavier Niel kauft ein

Salt-Eigner Xavier Niel ist aktuell auf Einkaufstour. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass er über seine Holding NJJ und über den von ihm kontrollierten französischen Telecomanbieter Iliad (ILD 173.8 -0.06%) 64,5% an der irischen Telecomgesellschaft Eir erworben hat. Der Transaktionswert wurde auf 3,5 Mrd. € inklusive Schulden beziffert.

Die Investoren Anchorage und Davidson Kempner, die zu den Verkäufern zählen, bleiben mit einem Minderheitsanteil an Bord. Niel sieht sich als langfristig orientierten Investor im Telecomsektor, wie er anlässlich der Transaktion einmal mehr mitteilen liess.

Sunrise hat Spielraum gewonnen

Sunrise (SRCG 77.55 0.45%) wiederum hat sich erst im Sommer für 500 Mio. Fr. von der passiven Mobilfunkinfrastruktur getrennt und verfügt somit über finanziellen Spielraum. Das kommerzielle Momentum im Breitband- und Internetgeschäft ist derzeit gut. Eine Akquisition von UPC könnte jedoch zulasten der Dividendenpolitik gehen.

UPC Schweiz erzielte in den vergangenen vier Quartalen einen Umsatz von 1,4 Mrd. Fr. Würde die Gesellschaft wie Sunrise bewertet, gemessen am Unternehmenswert zum Umsatz, käme sie auf 3,9 Mrd. Fr. Wird die Bewertung der Muttergesellschaft herangezogen, ergibt sich ein Wert von 6,6 Mrd. Fr. Liberty Global hatte UPC, die damals noch Cablecom hiess, 2005 für 2,8 Mrd. Fr. erworben. Inklusive Schulden war die Gesellschaft damals 4,4 Mrd. Fr. wert.

T-Mobile Austria kann Marke UPC nutzen

Beim Verkauf von UPC Austria ist vorgesehen, dass Liberty Global für vier Jahre einige technische Dienstleistungen zur Verfügung stellt. Ausserdem soll T-Mobile Austria die Marke UPC für bis zu drei Jahre nutzen können.

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