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US-Aktien als Verlegenheitslösung

Der Handelskrieg macht Fondsmanager vorsichtiger. Sie kaufen wieder Obligationen und halten mehr Cash. Wenn Aktien ins Portfolio kommen, dann aus den USA oder mit defensivem Charakter.

Peter Rohner

Das relativ gute Abschneiden der US-Börsen ist den professionellen Fondsmanagern nicht entgangen. Sie springen auf den Zug auf und geben amerikanischen Aktien ein grösseres Gewicht.

In der monatlichen Umfrage von Bank of America (BAC 24.02 5.49%) Merrill Lynch (BofAML) geben per saldo 20% an, dass sie US-Titel übergewichtet haben. Per saldo bedeutet, dass vom Anteil «übergewichtet» der Anteil «untergewichtet» abgezogen wurde.

Beliebte USA

20% netto klingt nach wenig, ist aber der höchste Wert seit Januar 2015 (vgl. blaue Balken in der Grafik). Ausserdem sind die USA zum ersten Mal seit fünf Jahren die beliebteste Aktienregion.

Im Portfoliokontext bedeutet ein Übergewicht, dass das Gewicht einer Anlageklasse über der langfristig erwünschten, strategischen Quote liegt.

Über die letzten zwanzig Jahre betrachtet hatten die Fondsmanager im Schnitt US-Aktien leicht untergewichtet. Das Ausmass des aktuellen Übergewichts liegt mehr als eine Standardabweichung über diesem Mittelwert, was in der folgenden Grafik als Z-Score abgebildet ist.

Zu erkennen ist auch, dass Bargeld einen höheren Stellenwert hat. Der Anteil Fondsmanager, der mehr Cash hält als strategisch festgelegt, ist ebenfalls deutlich grösser als in der Vergangenheit.

Das zeugt von einem gehörigen Mass an Pessimismus. Übertrieben «bullish» sind die Fondsmanager auf jeden Fall nicht.

Beliebt sind auch Immobilienvehikel (Real Estate Investment Trusts, REIT) und Aktien aus den Sektoren Basiskonsum, Gesundheit und Banken. Historisch niedrig ist die Gewichtung von Aktien aus Grossbritannien (UK) und Schwellenländern (Emerging Markets, EM).

Schere öffnet sich auch bei den Unternehmensgewinnen

Die Fondsmanager haben gute Gründe, statt auf Schwellenländer auf die USA zu setzen. So viele wie noch nie sind überzeugt, dass der Gewinnausblick für Corporate America günstig ist (vgl. blaue Kurve). Ganz anders die Sicht auf Emerging Markets (gelb): Eine deutliche Mehrheit beurteilt die Gewinnentwicklung negativ.

Gegenüber der letzten Umfrage haben die Fondsmanager vor allem Positionen in den Sektoren Gesundheit und Industrie aufgebaut. Auch Obligationen standen wieder in der Anlegergunst. Dadurch hat sich seit Februar der Nettoanteil der Fondsmanager, die Bonds untergewichten, von 70 auf 45% reduziert.

Verkauft wurden Bankaktien, Schwellenländertitel und sämtliche Investments im Segment Roh- und Baustoffe.

Tech-Aktien sind immer noch sehr beliebt. Aber der Anteil derjenigen, die Facebook (FB 245.07 0.23%) & Co. übergewichten, ist nicht mehr weiter gestiegen.

Konjunktur ist über dem Zenit

Auch gesamtwirtschaftlich hängen die Vereinigten Staaten die anderen Regionen ab. Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal 4,2% gewachsen, während die Konjunktur in Asien und Europa harzt.

Doch ganz abkoppeln kann sich das US-Wachstum nicht vom Rest der Welt. Das findet eine klare Mehrheit der Fondsmanager: Rund die Hälfte glaubt, dass sich die amerikanische Wirtschaft dem Tempo der übrigen Regionen anpassen wird. Etwas mehr als ein Fünftel prognostiziert, dass Europa und Asien zu den USA aufschliessen.

Folglich ist auch eine kleine Mehrheit der Meinung, dass sich das Weltwirtschaftswachstum über die nächsten zwölf Monate eher verlangsamt.

Entsprechend zurückhaltend sind die globalen Gewinnerwartungen: Per saldo glauben 16%, dass sich die Gewinnsituation der Unternehmen nicht verbessert. Noch im Februar waren fast 40% optimistisch, was die Gewinnentwicklung anbelangt.

Am meisten Sorgen macht den Profis derzeit der Handelsstreit. Er wird am häufigsten als das «grösste Risiko» bezeichnet. Und obwohl sie Schwellenländer verkaufen, sind sie der Meinung, dass die Währungen allmählich unterbewertet sind.