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US-Arbeitsmarktbericht setzt Fed unter Zugzwang

Analyse | Die Wirtschaft schafft mehr Stellen als erwartet. Der Druck auf das Fed, aktiv zu werden, steigt.

Der US-Arbeitsmarkt hat sich im November erneut deutlich stärker erholt als erwartet, nachdem bereits die Arbeitsmarktdaten im Vormonat für eine positive Überraschung gesorgt hatten. Die starke Entwicklung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank die Drosselung der Anleihenkäufe (Tapering) bereits im Dezember einleiten wird. Seit September 2012 kauft das Fed monatlich Anleihen im Wert von 85 Mrd. $, um die Wirtschaft zu stützen.

Wie das US-Arbeitsministerium am Freitag mitteilte, hat die amerikanische Wirtschaft 203’000 neue Stellen ausserhalb der Landwirtschaft geschaffen (Non-farm Payrolls), Analysten hatten durchschnittlich ein Plus von 185’000 prognostiziert. Die Zahlen für Oktober wurden marginal nach unten korrigiert, von 204’000 auf 200’000. Im Gegenzug wurden im September 175’000 neue Stellen geschaffen, das sind 12’000 mehr, als noch im vergangenen Monat rapportiert.

Nachhaltige Erholung

Die Arbeitslosenrate ist ebenfalls deutlich gesunken, von 7,3 auf 7%. Ökonomen hatten einen Rückgang auf 7,2% erwartet. Erfreulich ist, dass die sinkende Arbeitslosenquote nicht auf eine abnehmende Erwerbsquote zurückzuführen ist, wie es in den Vormonaten teilweise zu beobachten war. Die Quote, die den Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung ab sechzehn Jahren misst, war im Oktober auf den tiefsten Wert seit über dreissig Jahren gesunken (62,8%). Diese Entwicklung signalisiert, dass mehr Menschen die Suche nach einem Job aufgeben. Sie werden in der Arbeitslosenstatistik nicht mehr erfasst. Im November verzeichnete die Erwerbsquote eine Zunahme auf 63%.

Die aktuellen Zahlen lassen darauf schliessen, dass die Erholung des Arbeitsmarkts tatsächlich an Schwung gewinnt und es sich nicht nur um ein vorübergehendes Phänomen handelte. In den letzten zwölf Monaten hat die US-Wirtschaft monatlich durchschnittlich 193’000 neue Arbeitsplätze geschaffen. 2012 betrug der Zuwachs pro Monat knapp 183’000.

Neben den blossen Zahlen ist auch die Qualität der Stellen wichtig. Seit der Rezession hat die US-Wirtschaft überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze in Branchen geschaffen, die Temporärstellen anbieten oder nicht sonderlich gut bezahlt sind. Dazu gehören etwa Arbeitsplätze in Tourismus und Gastronomie, sowie Aushilfsstellen in der Administration. Die Anzahl der Beschäftigten in diesen Branchen ist heute höher als vor der Finanzkrise. Die Analysten von Stone McCarthy Research Associates bewerten die Entwicklung im November positiv. Unerwartet viele Stellen wurden demnach im produzierenden Gewerbe geschaffen. Diese Jobs gelten als gut bezahlt. Nur wenn ihr Anteil Jobs auch in Zukunft weiter zunimmt, werden die Arbeitnehmer mehr Einkommen zur Verfügung haben und den Konsum wieder ankurbeln.

Tapering rückt näher

Die starke Entwicklung bringt die US-Notenbank Fed unter Druck, aktiv zu werden. Im Juni hatte Fed-Chef Ben Bernanke erklärt, er erwarte, dass die Arbeitslosenrate bei etwa 7% liege, wenn das Fed den Ausstieg aus dem Anleihenkaufprogramm abschliesse. Im September wollte er sich allerdings nicht mehr auf eine konkrete Zahl festlegen lassen und erklärte: «Es gibt keine magische Zahl. Wir warten auf Anzeichen, dass sich der US-Arbeitsmarkt nachhaltig verbessert.» Am 17. und 18. Dezember trifft sich das Fed zur nächsten Zinssitzung.

Die Aussichten auf ein mögliches Tapering liessen dennoch keine schlechte Stimmung an den Börsen aufkommen: Der S&P 500 (S&P 500 4'464.33 -0.22%) startete freundlich in den letzten Handelstag der Woche.

Leser-Kommentare

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Martin Anliker 07.12.2013 - 17:49

Kein Tapering in Sicht. Wer sonst soll den mit 2.7% rentierenden Treasuries kaufen. Aus meiner Sicht wird ein Tapering erst erfolgen, wenn zumindest das Haushaltsdefizit weg ist. Und das ist noch ein langer Weg, trotz Fracking boom. Darueber hinaus wuerde ein Tapering einen staerkeren Dollar bedeuten… was die USA nicht brauchen kann. Ergo…