Märkte / Makro

Der US-Arbeitsmarkt ist gesund

Analyse | Die Arbeitslosigkeit ist rekordtief und die Unterbeschäftigung sinkt.

Weder der Handelskrieg, rückläufige Einkaufsmanagerindizes noch Konjunktursorgen haben US-Unternehmen im letzten Jahr davon abgehalten, ihre Belegschaft weiter aufzustocken. Mit dem Bericht des Statistikamts BLS (BLSN 0.45 -10%) zum Arbeitsmarkt für den Monat Dezember rundet sich das Bild des stattlichen Beschäftigungsaufbaus im Jahr 2019 ab.

Das geschätzte Stellenplus von 145‘000 ausserhalb der Landwirtschaft im letzten Monat des Jahres lag allerdings unterhalb der Schätzungen der Analysten. Diese gingen im Schnitt von 160‘000 mehr Jobs im Dezember aus. Darüber hinaus wurde das Plus in den zwei vorhergehenden Monaten um insgesamt 14‘000 Stellen nach unten revidiert. Das Beschäftigungswachstum war im Dezember zweigeteilt: Der Dienstleistungssektor stellte ein, die verarbeitende Industrie baute Stellen ab. Heutzutage entfallen nur noch etwa 8% aller Jobs auf das verarbeitende Gewerbe.

Stütze für den Konsum

Insgesamt wurden im Jahr 2019 über 2,1 Mio. neue Jobs geschaffen. Dies vergleicht sich mit einem ähnlich hohen Zuwachs im Jahr 2017 und einem Plus von 2,7 Mio. im Jahr 2018. Insbesondere im zweiten Semester des letzten Jahres zeigten sich die US-Arbeitgeber wieder gewillter, die Zahl der Beschäftigten aufzustocken. Somit schafft der Arbeitsmarkt die perfekten Voraussetzungen, dass die gute Konsumlaune der Amerikaner andauert.

Bei der Arbeitslosenquote zeigte der Trend im Jahr 2019 weiter nach unten. Vor Jahresfrist lag die Zahl der Arbeitslosen in Relation zur gesamten Zahl der Erwerbspersonen noch bei 4%, sie beendete das Jahr gemäss dem aktuellen Bericht bei 3,5% und somit unverändert zum November 2019. Dies ist der tiefste Stand seit über fünfzig Jahren. Da die Unternehmen wegen des leergefegten Arbeitsmarkts zunehmend Schwierigkeiten haben, qualifiziertes Personal zu finden, dürfte sich das Tempo des Rückgangs der Arbeitslosenquote im laufenden Jahr allerdings verlangsamen.

Kein Signal für das Fed

Die Unterbeschäftigungsquote sank im Dezember auf 6,7% und lag somit 0,2 Prozentpunkte tiefer als noch im Vormonat. Diese Quote umfasst auch Personen, die nicht vollständig im Arbeitsmarkt integriert sind, und all diejenigen, die aus wirtschaftlichen Gründen ausschliesslich Teilzeit arbeiten.

Trotz der geringen Arbeitslosigkeit fluktuiert der Lohnzuwachs seit über einem Jahr um moderate 3%. Die durchschnittlichen Löhne stiegen im Dezember um 2,9% gegenüber dem Vorjahr. Im November waren es noch 3,1%. Experten erwarten schon seit Jahren anziehenden Lohndruck, da der Arbeitsmarkt zunehmend austrocknet und Arbeitnehmer bei Stellenwechsel eigentlich in der komfortablen Lage sind, höhere Gehaltsforderungen zu stellen.

Die Aktienmärkte nahmen den Bericht gelassen auf. Die Renditen der US-Staatsanleihen korrigierten in einer ersten Reaktion leicht nach unten. Das Fed kann an der geldpolitischen Pause wohl erst einmal festhalten.

Leser-Kommentare