Märkte / Makro

Der US-Arbeitsmarkt läuft auf Hochtouren

Die amerikanische Wirtschaft hat im Juni erneut mehr Stellen als erwartet geschaffen. Die US-Notenbank befindet sich in einer komfortablen Ausgangslage.

Der amerikanische Arbeitsmarkt ist weiterhin auf Rekordkurs. 213 000 neue Stellen hat die Wirtschaft im Juni geschaffen, teilte das Statistikamt BLS am Freitag mit. Analysten hatten ein Plus von 195 000 erwartet. Zudem wurden die Zahlen für die beiden Vormonate nach oben revidiert. Demnach sind im April und Mai 37 000 Arbeitsplätze mehr entstanden als bislang angenommen.

Die Arbeitslosenquote, die separat erhoben wird, ist auf 4% gestiegen. Beobachter hatten erwartet, dass sie auf dem Vormonatswert von 3,8% verharrt. Erklären lässt sich der Anstieg damit, dass rund 600 000 Amerikaner in den Jobmarkt eingetreten sind – sie wurden zuvor von der Arbeitslosenstatistik nicht erfasst, weil sie sich nicht am Arbeitsmarkt beteiligt hatten. Diese Entwicklung spiegelt sich in der leichten Zunahme der Partizipationsrate.

Löhne wachsen langsam

Der jüngste Arbeitsmarktbericht zerstreut vorerst Befürchtungen, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie weiteren Handelspartnern zu Einstellungsstopps geführt hat. So sind im Industriesektor, der von einer Eskalation besonders betroffen sein dürfte, 36 000 neue Arbeitsplätze entstanden. Das sind fast doppelt so viele wie im Mai.

Seit nunmehr 93 Monaten in Folge entstehen in den USA neue Stellen – es handelt sich damit um die längste Wachstumsphase im Jobmarkt. Im Schnitt wurden im ersten Halbjahr monatlich 196 500 Arbeitsplätze geschaffen. Die Dynamik hat sich zum Vorjahr deutlich erhöht: 2017 lag das monatliche Plus bei 182 000.

Das ungebrochen starke Stellenwachstum legt nahe, dass die Kapazität am Arbeitsmarkt noch nicht ausgelastet ist. So können Arbeitgeber trotz des rekordlangen Aufschwungs offenbar immer noch problemlos neue Stellen besetzen. Die gute Beschäftigungslage könnte auch in den kommenden Monaten dazu führen, dass die Beteiligung am Jobmarkt zunimmt und somit das Angebot an Arbeitskräften steigt.

Ein weiterer Hinweis auf die Unterauslastung liefert die breiter gefasste Arbeitslosenrate U6. Sie berücksichtigt zusätzlich Arbeitnehmer, die unfreiwillig eine Teilzeitstelle innehaben und diejenigen, die es vorerst aufgegeben haben, einen Job zu suchen. Die U6-Rate ist im Juni auf 7,8% gestiegen, nach 7,6% im Vormonat.

Gibt es tatsächlich ungenutzte Kapazitäten, könnte das die nach wie vor verhaltene Lohnentwicklung erklären. Denn die Saläre reagieren bislang kaum auf die stetigen Fortschritte am Arbeitsmarkt. So sind die durchschnittlichen Stundenlöhne im Juni gegenüber dem Vorjahr 2,7% gestiegen; damit bewegt sich der Wert im Rahmen der Vormonate. Ein Lohnzuwachs von mehr als 3%, das frühere Konjunkturerholungen auszeichnete, wurde zuletzt 2009 registriert.

Die US-Notenbank (Fed) befindet sich in einer komfortablen Lage. Sie prognostiziert für 2018 noch zwei weitere Zinserhöhungen. Die gute Entwicklung des Jobmarkts unterstützt diese Pläne. Gleichzeitig scheint eine Verschärfung der eingeschlagenen Geldpolitik nicht angezeigt, denn die Löhne signalisieren noch keine Überhitzung der Wirtschaft.

Zinserhöhung im September

Der nächste Zinsentscheid des Fed fällt am 1. August. An diesem Termin wird keine Anpassung erwartet, denn nach der Sitzung ist keine Pressekonferenz geplant. Eine weitere Gelegenheit, die Geldpolitik zu straffen, bietet sich den Währungshütern am 26. September. Marktteilnehmer beziffern die Wahrscheinlichkeit, dass das Fed dann den Leitzins erhöht, mit 80%. Das Zielband für die Federal Funds Rate läge dann bei 2 bis 2,25%.

Die Märkte erwarten vorerst keine aggressivere Zinspolitik. Sie messen dem Szenario von zwei weiteren Zinsschritten bis Ende Jahr eine Wahrscheinlichkeit von 52% zu. Das entspricht dem Wert von vor der Publikation der Arbeitsmarktzahlen.

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