Märkte / Makro

US-Arbeitsmarktbericht bestätigt Geldpolitik des Fed

Analyse | Der US-Arbeitsmarkt scheint sich von den Auswirkungen der Kältewelle zu erholen. Eine Anpassung der Geldpolitik ist nicht angezeigt.

Die US-Wirtschaft hat im März etwas ­weniger neue Stellen als erwartet geschaffen, wie der offizielle Arbeitsmarktbericht am Freitag verdeutlichte. Gemäss dem ­Statistikamt BLS (BLSN 0.55 0%) betrug der monatliche ­Zuwachs 192’000, Marktbeobachter hatten durchschnittlich ein Plus von 200’000 neuen Stellen prognostiziert. Die Arbeitslosenrate, die separat erhoben wird, ­verharrte im März bei 6,7%. Analysten ­hatten einen Rückgang auf 6,6% erwartet. Erfreulich ist die Tatsache, dass die Zahlen für die beiden Vormonate nach oben ­revidiert wurden. Insgesamt wurden im Januar und Februar 37’000 mehr neue Stellen geschaffen als zuvor angenommen.

Seit Jahresanfang hat die US-Wirtschaft durchschnittlich 178’000 neue Stellen ­monatlich geschaffen. Das liegt deutlich unter dem Durchschnittswert des Vor­jahres (194’000). Dies dürfte teilweise mit dem kalten Start in das neue Jahr zusammenhängen, der die Arbeitnehmer dazu zwang, weniger als möglich zu arbeiten. Im März bewegten sich die Temperaturen wieder im Normalbereich. Welchen Effekt die Kältewelle wirklich hatte, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Doch die Märzdaten weisen darauf hin, dass die gedämpfte Erholung des Stellenmarkts zum Jahresauftakt tatsächlich temporärer Natur war.

Yellen bleibt wachsam

Weit wichtiger als die nackten Zahlen ist für die Finanzmärkte, wie die US-Notenbank auf den Arbeitsmarktbericht reagieren wird. Die Entwicklung des Arbeitsmarkts spielt für die Geldpolitik des Fed eine zentrale Rolle: Das Doppelmandat verlangt von der US-Notenbank, Voll­beschäftigung anzustreben und Preis­stabilität zu gewährleisten. Seit das Fed Anfang des Jahres die Drosselung der ­Anleihenkäufe eingeleitet hat (Tapering), ist die Bedeutung des Arbeitsmarkts gar noch gewachsen.

Das hat Notenbankchefin Janet Yellen an einer Rede in Chicago am 31. März ­erneut bekräftigt. Sie zeigte sich besorgt, dass der Stellenmarkt nach wie vor auf schwachen Beinen stehe und die Betrachtung des Stellenzuwachses oder der Arbeitslosenquote allein nicht aussagekräftig genug sei. Daran knüpfte sie das Versprechen, dass das Fed die Erholung des Arbeitsmarkts weiterhin durch eine expansive Geldpolitik unterstützen wird. Der aktuelle Arbeitsmarktbericht dürfte an Yellens Einschätzung nichts ändern.

Schleppende Erholung

Die Notenbankchefin nannte die Partizipationsrate als ein Kriterium für die Gesundheitsverfassung des Stellenmarkts. Diese misst den Anteil der beschäftigten und Arbeit suchenden Personen an der gesamten Arbeitsbevölkerung. Eine sinkende Quote impliziert, dass der Anteil der Personen gewachsen ist, der die Suche nach einer Arbeit aufgegeben hat. Als die Rezession begann, lag die Partizipationsrate bei 66%. Während der Wirtschaftskrise nahm sie ab, wie es üblicherweise zu beobachten ist.

Doch dass die Quote weiter sank, nachdem die konjunkturelle Erholung wieder einsetzte, wertet Yellen als ein Zeichen der anhaltenden Schwäche. «Die Partizipationsrate steht heute bei 63%, so tief wie 1978, als noch weit weniger Frauen erwerbstätig waren», erklärte sie. Im März ist die das Mass der Beteiligung am Arbeitsmarkt zwar leicht auf 63,2% gestiegen. Im historischen Vergleich bleibt sie aber sehr niedrig. Durch die steigende Quote lässt sich allerdings teilweise erklären, dass die Arbeitslosenrate nicht abgenommen hat.

Als weiteres Problem identifizierte Yellen die hohe Anzahl der Teilzeitangestellten, die eigentlich lieber eine Vollzeitstelle hätten, aber keine finden. Die Zahl von rund 7 Mio. sei bei der gegenwärtigen Arbeitslosenquote viel zu hoch, sagte Yellen und bezog sich dabei auf Erfahrungen aus der Vergangenheit. Diese Situation hat sich im März nicht verbessert: Noch immer gehen 7,4 Mio. Arbeitnehmer unfreiwillig einer Teilzeitarbeit nach.

Auch bei den Löhnen lässt sich trotz der sinkenden Arbeitslosenrate nur eine geringe Erholung feststellen. Seit der ­Rezession seien die Löhne durchschnittlich rund 2% jährlich gewachsen, sagte Yellen, das sei viel geringer als in früheren Konjunkturaufschwüngen. «Das ist für mich ein weiteres Zeichen, dass die Noten­bank ihre Arbeit noch nicht gemacht hat», erklärte die Fed-Chefin. Im März sind die Stundenlöhne 1 Cent gesunken. Insgesamt ergab sich im ersten Quartal ein ­Zuwachs von 9 Cent oder 2,1%.

Der Arbeitsmarktbericht lässt also hoffen, dass die Erholung in den kommenden Monaten fortschreitet. Da er nur leicht enttäuscht hat, ist zudem nicht davon auszugehen, dass er die Fed-Ausstiegspläne in die eine oder andere Richtung verändern könnte.

Die US-Börsen reagierten mit Kurs­gewinnen auf den Arbeitsmarktbericht. Der S&P 500 kletterte zwischenzeitlich auf 1896,9. Der Dow Jones (Dow Jones 26787.36 -0.11%) notierte im ­Handelsverlauf auf 16’631. Beide Indizes notierten damit auf neuem Höchst. Allerdings büssten sie die Gewinne im Tagesverlauf wieder ein. Der Dollar reagierte kaum auf die Arbeitsmarktdaten.

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