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US-Banken im Bann von Corona

Die grossen US-Geldhäuser reagieren gegensätzlich auf die Krise: Während Goldman Sachs den Gewinn verdoppelt, bricht er bei Wells Fargo und Bank of America ein.

(Reuters) Die Coronakrise hinterlässt in den Erfolgsrechnungen der US-Grossbanken spuren – im Guten wie im Schlechten. Während bei Goldman Sachs (GS 205.04 -0.18%) die Kassen klingelten, brechen die Gewinne von Bank of America (BAC 24.9 0.12%) und Wells Fargo ein.

Weil sie im dritten Quartal von florierenden Handelsgeschäften profitiert hat, ist der Nettogewinn von Goldman Sachs 94% auf 3,5 Mrd. $ gewachsen. Im Sommer brummte nicht nur das Geschäft mit der Platzierung von Anleihen und Anleihen, weltweit gab es auch zahlreiche Börsengänge und Kunden fragten mehr Produkte zur Absicherung von Portfolien nach. Investmentbanken nahmen damit mehr Gebühren ein.

Goldman Sachs steigerte die Konzernerträge um 30% auf 10,78 Mrd. $. Im Gegensatz zu Konkurrenten musste Goldman im dritten Quartal eher wenig Vorsorge für faule Kredite treffen. Die Rückstellungen sanken leicht auf 278 Mio. $.

Rückstellungen belasten BoA

Anders sieht es bei Bank of America aus: Die Risikovorsorge stieg mit 1,4 Mrd. $ fast auf das Doppelte. Der Nettogewinn brach im dritten Quartal um 15,8% auf 4,44 Mrd. $ ein. Analysten hatten allerdings mit einem noch deutlicheren Rückgang gerechnet. Die Bank profitierte nicht ganz so sehr wie ihre heimischen Wettbewerber von dem florierenden Aktien- und Anleihehandel im Sommer. Die Erträge in den Sparten legten weniger stark zu als bei JP Morgan und Citi. Die Gesamterträge gingen im Quartal um elf Prozent auf 20,3 Mrd. $ zurück.

Bank of America ist im Gegensatz zu Konkurrenten wie Goldman Sachs oder JP Morgan stark im Privatkundengeschäft tätig und leidet unter den niedrigeren Zinsen und einem schwächeren Kreditgeschäft. Im Kampf gegen die Corona-Krise hat die US-Notenbank Fed den Leitzins auf fast Null Prozent gesenkt. Verunsicherte Verbraucher halten ihr Geld zusammen und schrecken vor Neuanschaffungen zurück.

Wells Fargo halbiert Gewinn

Die US-Bank Wells Fargo hat die Wirtschaftskrise im vergangenen Quartal voll zu spüren bekommen. Der Nettogewinn brach auf 1,7 Mrd. $ von 4 Mrd. $ im Vorjahresquartal ein, wie das Institut aus San Francisco am Mittwoch mitteilte. Neben den niedrigen Zinsen und dem geringeren Kreditbestand setzen die Skandale der Vergangenheit dem Geldhaus zu. «Die historisch niedrigen Zinsen haben unsere Zinseinnahmen gedrückt und unsere Kosten bleiben erhöht», sagte Vorstandschef Charlie Scharf.

Wegen der Corona-Krise liegt die Wirtschaft in den USA am Boden, die Arbeitslosigkeit ist hoch und die Notenbank Fed senkte zur Ankurbelung der Konjunktur die Leitzinsen auf fast 0%. Hinzu kommen bei Wells Fargo hausgemachte Probleme, wie ein Skandal um Phantomkonten, der immer noch nachwirkt. Die Verbesserung der Risikokontrollen bleibe eine Top-Priorität, sagte Scharf. Die dafür nötigen Investitionen treiben die Kosten in die Höhe. Das Geschäftsgebaren der Bank hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Aufsehen erregt: So eröffneten Mitarbeiter Millionen von Phantomkonten für Kunden, um interne Ziele zu erfüllen.

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