Märkte / Makro

US-Firmen bauen erstmals seit Jahren Stellen ab

Im März verringert sich die Stellenzahl. Der US-Industrie brechen die Aufträge weg. Einkaufsmanager sind weniger pessimistisch als befürchtet.

(Reuters) Die US-Firmen haben wegen der Viruskrise im März erstmals seit Jahren Jobs abgebaut und damit eine Entlassungswelle ins Rollen gebracht. Die Stellenzahl verringerte sich um 27.000, wie der Personaldienstleister ADP am Mittwoch zu seiner monatlichen Unternehmensbefragung mitteilte. Damit fielen laut ADP erstmals seit September 2017 im Privatsektor unter dem Strich Arbeitsplätze weg. Allerdings spiegeln die ADP-Zahlen nicht das gesamte Bild wider, da die Umfragedaten nur bis zum 12. März reichten.

Auf eine jüngst in Gang gekommene grössere Entlassungswelle deuten die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenhilfe hin: Sie stiegen unlängst auf knapp 3,3 Millionen. Dieser Rekordwert dürfte bei den am Donnerstag anstehenden Gesuchen für die Woche zum 28. März nach Einschätzung von Experten wohl noch übertroffen werden. «Die Arbeitslosenquote wird bis Mitte des Jahres wohl auf einen Wert steigen, wie er das letzte Mal in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre gesehen wurde», sagt Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner voraus. Prognosen von 15% bis 20% seien keine Seltenheit mehr.

Die US-Währungshüterin Loretta Mester, die den Fed-Bezirk Cleveland leitet, hält eine Arbeitslosenquote von mehr als 10% für denkbar. Ihr Kollege Robert Kaplan aus Dallas rechnet mit einem Anstieg auf Werte im unteren bis mittleren Bereich zwischen zehn und 20%. Damit würde der jahrelange Boom am US-Jobmarkt jäh in Massenarbeitslosigkeit umschlagen. Zuletzt lag die Arbeitslosenquote bei 3,5%, was praktisch Vollbeschäftigung entspricht.

Industrie weniger schwach als befürchtet

Die US-Industrie hat sich zu Beginn der Coronavirus-Krise besser als erwartet behauptet. Der Einkaufsmanager-Index sank im März um 1,0 auf 49,1 Punkte, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Firmenumfrage des Institute for Supply Management (ISM) hervorgeht. Von Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen mit einem stärkeren Rückgang auf 45,0 Punkte gerechnet. Das Barometer signalisiert erst bei Werten über 50 ein Wachstum.

Allerdings stehen den Industriebetrieben schwere Zeiten ins Haus: Die Aufträge brachen so kräftig ein wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht. «Mit zeitlicher Verzögerung ist zudem damit zu rechnen, dass die Corona-Pandemie zu weiteren Belastungen der wirtschaftlichen Aktivitäten sorgen wird», sagte Helaba-Ökonom Ralf Umlauf.

«Sehr sehr schmerzvolle» Wochen

Die Pandemie bringt auch das Gesundheitswesen in den USA an seine Grenzen: Die Coronavirus-Koordinatorin des Weissen Hauses, Deborah Birx, befürchtet in den kommenden Monaten 100.000 bis 240.000 Tote in den USA durch die Ausbreitung. Angesichts der bereits rapide steigender Totenzahlen stimmte Präsident Donald Trump die mit Ausgangsbeschränkungen konfrontierte Bevölkerung am Dienstag auf harte Zeiten ein: Die nächsten beiden Wochen würden «sehr, sehr schmerzvoll».

Die US-Regierung kündigte unterdessen an, bei Bedarf ihre Wirtschaftshilfen weiter hochzufahren. Präsident Trump habe klar gesagt, dass er alles Erforderliche tun werde, um Arbeitsplätze und Unternehmen in den USA zu beschützen, sagte Finanzminister Steven Mnuchin. «Wenn wir weitere Programme und mehr Geld benötigen, werden wir wieder zum Kongress gehen.»

Die USA hatten am Freitag ein drittes Massnahmenpaket in Höhe von 2,2 Bio. $ verabschiedet, das insbesondere die Wirtschaft stützen soll. Zuvor hatte der Kongress in zwei Paketen 8,3 Mrd. $ für Forschung und Tests bewilligt sowie 100 Mrd. $ für Arbeitslosengeld und Lebensmittelhilfen. Überdies werden seit längerem Pläne für ein grosses Programm zur Instandsetzung der maroden US-Infrastruktur diskutiert.