Märkte / Makro

US-Industrie dreht trotz Coronakrise auf

Der Einkaufsmanagerindex steigt Ende Jahr überraschend und verzeichnet das höchste Wachstumstempo seit August 2018.

(Reuters) Die US-Industrie wächst trotz der Corona-Krise so stark wie seit dem Sommer 2018 nicht mehr. Der Einkaufsmanager-Index stieg im Dezember auf 60,7 Punkte von 57,5 Zählern im November, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Firmenumfrage des Institute for Supply Management (ISM) hervorgeht. Mit einem Wert von weit über 50 Zählern signalisiert das Barometer kräftiges Wachstum. Experten wurden davon auf dem falschen Fuss erwischt, da sie mit einem leichten Rückgang gerechnet hatten.

«Der Stimmungsanstieg auf das höchste Niveau seit August 2018 kommt überraschend, nachdem regionale Fed-Umfragen schwächer ausgefallen waren. Insofern scheint sich die Erholung im Industriesektor noch fortzusetzen», erklärte Helaba-Ökonom Ulrich Wortberg. LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert sieht die Hoffnung auf baldige entlastende Wirkungen der Impfkampagne als eine Triebfeder dafür. Zudem halte das Ende Dezember beschlossene zweite Fiskalpaket und die Nachfrage aus Asien die Stimmung hoch.

Nach wochenlangem Hin und Her hatten Republikaner und Demokraten im Dezember den Weg für neue Corona-Hilfen im Volumen von 900 Milliarden Dollar freigemacht. Auch der scheidende US-Präsident Donald Trump unterstützte das Paket nach anfänglichen Bedenken. Experten zufolge werden die Hilfen, auf die auch die Notenbank (Fed) gedrungen hatte, die weltgrösste Volkswirtschaft anschieben.

Das Verarbeitende Gewerbe bleibt laut dem Chefökonomen der Liechtensteiner VP Bank (VPBN 103.60 +1.57%), Thomas Gitzel, derzeit eine wichtige Konjunkturstütze: «Da mit dem zweiten staatlichen Rettungspaket auch wieder üppige Hilfszahlungen an private Haushalte fliessen, wird die US-Wirtschaft im ersten Quartal Kurs halten können.»