Märkte / Makro

Erneut mehr Arbeitslose in den USA als erwartet

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ebbt nur langsam ab. Dafür erholen sich die Bestellungen für langlebige Gebrauchsgüter etwas.

(Reuters) Über dem US-Arbeitsmarkt haben sich die dunklen Wolken noch nicht verzogen: Insgesamt stellten vorige Woche erneut rund 1,48 Mio. Bürger einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe auf staatliche Stütze, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen Rückgang auf 1,3 Mio. erwartet, nach revidiert 1,54 Mio. in der Woche zuvor.

Die Corona-Pandemie hat in den USA Vollbeschäftigung in Massenarbeitslosigkeit umschlagen lassen: Mehr als 20 Mio. Amerikaner verloren im April ihren Job, bevor im Mai ein vorläufiges Ende des Abwärtstrends einsetzte und rund 2,5 Mio. Jobs geschaffen wurden.

Die US-Industrie hat sich im Mai hingegen deutlich vom Corona-bedingten Auftragseinbruch der Vormonate erholt. Die Bestellungen für langlebige Gebrauchsgüter wie Flugzeuge und Maschinen wuchsen um 15,8 Prozent zum Vormonat, wie das Handelsministerium am Donnerstag mitteilte. Im April hatte es einen Einbruch von 18,1 Prozent gegeben.

«Konjunktursorgen bleiben»

«Die Daten signalisieren, dass das Tief der Corona-Krise durchschritten sein könnte», sagte Helaba-Analyst Patrick Boldt mit Blick auf Arbeitslosenanträge und Industrieaufträge. «Dennoch bleiben die Konjunktursorgen vorerst bestehen, da die Zahl der Corona-Neuinfektionen in einigen Regionen der USA noch sehr hoch ist.»

Der Wirtschaftsberater des Weissen Hauses, Larry Kudlow, rechnet allerdings damit, dass die Konjunktur bald wieder Fahrt aufnimmt. In der zweiten Jahreshälfte sei mit zweistelligen Wachstumsraten zu rechnen, sagte er dem Sender Fox News. Auch die Arbeitslosigkeit werde zurückgehen, so dass die Quote Ende des Jahres bei unter 10% landen werde. Zuletzt lag sie bei 13,3%.

Die US-Wirtschaft steckt wegen der Pandemie in einer tiefen Rezession. Der Internationale Währungsfonds rechnet in diesem Jahr mit einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 8%. Im ersten Quartal war das BIP mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 5,0% geschrumpft. Das ist der stärkste Rückgang seit den Jahren der Finanzkrise 2007-09, weil privater Konsum, Investitionen und Exporte deutlich sanken. Für das zweite Quartal wird ein noch tieferer Einbruch erwartet, da der Kampf gegen die Pandemie zu umfangreichen Werks- und Geschäftsschliessungen führte.

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