Unternehmen / Ausland

US-Kongress knöpft sich Deutsche Bank vor

Der US-Kongress schöpft Verdacht bei Geldwäschekontrolle der Deutschen Bank.

(Reuters) Der Deutschen Bank droht neuer Ärger in den USA wegen des Verdachts auf Verstösse bei Geldwäschekontrollen. Insidern zufolge untersucht der US-Kongress, ob interne Überprüfungen des Instituts versagt haben. Es gebe Anhaltspunkte, dass Manager der Bank Bedenken von Mitarbeitern über Geschäfte mit neuen und existierenden Kunden aus Russland ignoriert hätten, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Ausserdem werde untersucht, ob über die Zahlungssysteme der Bank illegale Gelder in die USA geflossen seien, fügte ein weiterer Insider hinzu. Die Ermittlungen befinden sich demnach in einem frühen Stadium. Es sei noch nicht klar, ob sich daraus Konsequenzen für das Institut ergeben.

Die Deutsche Bank (DBK 7.309 3.06%) erklärte, die Arbeit der Ausschüsse des US-Kongresses nicht zu kommentieren und weiterhin bei allen berechtigten Untersuchungen zu kooperieren. Nachdem frühere interne Überprüfungen Defizite bei Kontrollmechanismen gezeigt hätten, habe die Bank diese behoben, disziplinarische Massnahmen bei bestimmten Personen ergriffen und die Prozesse zur Aufnahme neuer Kunden und deren Überprüfung überarbeitet. Der ermittelnde Ausschuss des US-Kongresses lehnte einen Kommentar ab.

Der US-Kongress, in dem die oppositionellen Demokraten seit rund einem Jahr die Mehrheit haben, geht seit einigen Monaten dem Verdacht auf Geldwäschegeschäfte bei US-Immobiliendeals nach, die in Zusammenhang mit US-Präsident Donald Trump gebracht werden. Die US-Politiker forderten auch von der Deutschen Bank Informationen über ihre Rolle bei Transaktionen mit Trump an. Der US-Präsident war vor seinem Wechsel in die Politik als Immobilienunternehmer tätig und hat auch bei der Deutschen Bank Kredite laufen.

Hunderte von Dokumenten angefordert

Der US-Kongress bat die Deutsche Bank den Insidern zufolge im Rahmen der Untersuchungen um Hunderte von Dokumenten in Bezug auf andere Bankkunden, einschliesslich russischer Oligarchen. Dies umfasse etwa Kontoanträge, interne Beurteilungen von «verdächtigen Aktivitäten», Informationen über Kredite sowie sogenannte «KYC checks». Ziel dieses in der Finanzbranche als «Know Your Customer» (KYC) bekannten Fachterminus ist es zu verhindern, dass Kriminelle sich hinter falschen Identitäten oder komplexen Firmenstrukturen verstecken, um Geld zu waschen oder gegen sie verhängte Sanktionen zu umgehen. Regulierer und Aufseher weltweit verlangen von Banken, dass sie diese Routinen zur Identifizierung und Behandlung ihrer Kunden einhalten.

Trump und seine Kinder wehren sich gegen die Freigabe seiner Bankunterlagen und haben ein entsprechendes Gerichtsurteil angefochten. Dennoch begann die Deutsche Bank im April damit, Informationen an den US-Kongress zu übergeben, die nicht direkt mit dem Präsidenten in Verbindung stehen, wie einer der Insider sagte. Sie werde dies auch weiterhin tun. Die Bank habe auch eine grosse Menge des Trump-Materials zusammengetragen. Mit einer Übergabe werde aber gewartet, bis es ein rechtskräftiges Urteil gebe. Die Deutsche Bank ist unter anderem im Besitz von Trumps Steuererklärungen, gegen deren Veröffentlichung Trump ebenfalls vorgeht, wie kürzlich im Rahmen einer Kongressanhörung bekannt wurde. Unabhängig von einer gerichtlichen Entscheidung in der Causa Trump wollen die US-Politiker den Insidern zufolge ihre Untersuchungen der Geldwäscheprozesse bei der Deutschen Bank fortsetzen.

2017 zahlte die Deutsche Bank bereits 600 Mio. € im Geldwäsche-Skandal in Russland. Die US-Notenbank Federal Reserve verhängte zudem eine Strafe von 41 Mio. $ gegen das Institut, weil die Systeme nicht in der Lage waren, Geldwäsche-Aktivitäten aufzudecken. Das US-Justizministerium hat seine Untersuchungen noch nicht abgeschlossen. Zwei der Insider sagten nun, dass die vorläufigen Ergebnisse der Kongressmitarbeiter einige Überschneidungen mit diesem Fall haben könnten. Es gebe aber auch Fälle, die nichts mit dieser früheren Angelegenheit zu tun hätten.

Leser-Kommentare