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US-Konsumenten unerwartet in Kauflaune

Trotz der hohen Inflation blieben die US-Konsumenten auch im vergangenen Monat in guter Kauflaune.

(Reuters) Trotz hoher Inflation haben sich die US-Bürger auch im April überraschend spendabel gezeigt. Sie steigerten ihre Ausgaben zum Vormonat um 0,9%, wie das US-Handelsministerium am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Volkswirte rechneten nur mit einem Plus von 0,7%, nach einem Zuwachs im März von revidiert 1,4%. Die Verbraucher bilden mit ihren Ausgaben das Rückgrat der US-Wirtschaft.

Die persönlichen Einkommen der Amerikaner legten im April zum Vormonat um 0,4% zu. Trotz dieses Zuwachses schmälert die starke Teuerung ihre Kaufkraft. Ein Inflationsmass, das die US-Notenbank Fed dabei genau im Blick hat, betrachtet die persönlichen Ausgaben der Verbraucher. Dabei bleiben Nahrungsmittel- und Energiekosten ausgeklammert, die stark schwanken. Diese Jahresteuerung (PCE-Kernrate) sank im April leicht auf 4,9% von 5,2% im März.

«Es sieht danach aus, dass der Scheitelpunkt der Inflationswelle überschritten ist», sagte Analyst Bastian Hepperle von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. Ein rasches Abebben der hohen Inflationsrate sei jedoch nicht in Sicht. «Die US-Notenbank wird deshalb bei ihrem Inflationskampf vorerst noch auf strammen Zinserhöhungskurs bleiben», sagte Hepperle. Doch lange werde die Fed diesen Kurs nicht durchhalten können, «da die US-Wirtschaft ansonsten Schlagseite bekommt». Die Bau- und Immobilienbranche zeige bereits erste Abkühlungsanzeichen, der Rest der Wirtschaft dürfte in den kommenden Monate folgen.

Die Fed hatte Anfang Mai die Zinsen so stark erhöht wie seit 22 Jahren nicht mehr. Der Leitzins liegt nun in einer Spanne von 0,75 bis 1,00%. Wie aus den jüngsten Fed-Protokollen hervorgeht, dürften die Währungshüter die Zinsen auch im Juni und Juli weiter anheben.

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