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US-Konsumentenpreise steigen weit stärker als erwartet

Die Preise in der USA sind im vergangenen Monat stärker angestiegen als die Analysten zuvor erwartet hatten.

(Reuters) Lieferengpässe und die Preisexplosion bei Energie treiben die US-Inflation auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten. Waren und Dienstleistungen kosteten im Oktober 6,2% mehr als im Vorjahresmonat, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Einen derart kräftigen Preisauftrieb hat es in den USA seit November 1990 nicht mehr gegeben. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit einem Wert von 5,8% gerechnet, nach einem bereits satten Preisauftrieb im September von 5,4%. Der an den Zapfsäulen und an der Supermarktkasse abzulesende Preisauftrieb rief nun auch US-Präsident Joe Biden auf den Plan: «Die Inflation trifft die Amerikaner im Geldbeutel und diesen Trend umzukehren hat für mich Top-Priorität.»

Er habe seine wirtschaftspolitischen Berater im National Economic Council (NEC) angewiesen, daran zu arbeiten, die Energiekosten zu drücken. Zugleich betonte er, dass er die Unabhängigkeit der Notenbank Fed bei seinen Bemühungen im Kampf gegen die Inflation respektiere.

Die im Zuge der schockierend hoch ausgefallenen Preisdaten wieder aufgeflammte Angst vor Zinserhöhungen der Fed machte der Wall Street zu schaffen. «Auch wenn die Fed glaubt, dass die Inflation vorübergehend ist, gibt es immer mehr Anzeichen dafür, das dies nicht stimmt», sagte Rick Meckler, Partner beim Vermögensverwalter Cherry Lane.

Auch vor dem Hintergrund der rasant steigenden Preise hatte die US-Zentralbank jüngst die Abkehr von der extrem lockeren Geldpolitik eingeleitet: «Das ist gut so, denn die Zeit für expansive geldpolitische Massnahmen ist abgelaufen», sagte VP-Bank Ökonom Thomas Gitzel.

Die US-Notenbank fährt ihre Anleihenkäufe ab Mitte dieses Monats zurück, so dass die Zukäufe von einem monatlichen Volumen von derzeit noch 120 Mrd. $ bis Mitte nächsten Jahres komplett abgeschmolzen sein dürften. Das Ende der Zukäufe gilt zugleich als Voraussetzung für eine Zinserhöhung. «Die Fed dürfte sich spätestens Ende nächsten Jahres gezwungen sehen, ihre zögerliche Haltung aufzugeben und eine Leitzinswende einzuleiten», meinte Volkswirt Dirk Chlench von der LBBW. Derzeit liegt der Leitzins noch fest zementiert in der Spanne von null bis 0,25%.

Hohe Inflation allerorten

«Die Inflation scheint ausser Rand und Band zu sein», sagte Ökonom Gitzel. Die USA sind dabei nicht allein auf weiter Flur, da die Preise praktisch weltweit auf dem Vormarsch sind. Grund sind aus der Corona-Krise resultierende Lieferengpässe und ein weit verbreiteter Materialmangel bei Halbleitern, Stahl, Holz und Kunststoff, der die Preise treibt. In China stiegen die Erzeugerpreise auf den höchsten Stand seit 26 Jahren. In Deutschland trieben hohe Kosten für Energie die Inflationsrate auf ein 28-Jahres-Hoch von 4,5%.

Auch in den USA heizen die hohen Energiekosten die Inflation an. Die Spritpreise an den Zapfsäulen sind auf ein Sieben-Jahres-Hoch gestiegen. Der Ölpreis hat dieses Jahr bereits mehr als 60% zugelegt.

Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe verwies darauf, dass Unternehmen gestiegene Kosten zunehmend an ihre Abnehmer weitergeben würden. «Dieser Überwälzungsprozess erfasst mehr und mehr Güter, da vor allem die Probleme auf der Angebotsseite sich nicht rasch auflösen.» In der Tat haben die US-Produzenten ihre Preise im Oktober erneut kräftig angehoben. Diese stiegen wie schon im September um 8,6% zum Vorjahresmonat. Einen kräftigeren Zuwachs hat es seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2010 noch nicht gegeben.