Märkte / Makro

US-Ökonomen loben Zinsentscheid der EZB

Jenseits des Atlantiks sieht man in den Massnahmen der EZB einen wichtigen Wachstumsimpuls. Das Auseinanderdriften von EZB und Fed wird als potenzielles Risiko moniert.

Peter De Thier, Washington

US-Ökonomen haben überwiegend positiv auf die Entscheidung der EZB reagiert, den Leitzins weiter zu senken und den Einlagenzins erstmals mit einem negativen Vorzeichen zu versehen. Auch dürften die zusätzlichen Geldspritzen für Banken sowie die Bereitschaft, Asset Backed Securities (ABS) aufzukaufen, die Kreditvergabe ankurbeln und das Wachstum beleben, meinen führende Experten. Ein potenzielles Problem wird lediglich darin gesehen, dass die EZB und die US-Notenbank nun entgegengesetzte Kurse steuern und mittelfristig weiter auseinanderdriften werden.

Nach Ansicht von Adam Posen, Präsident des Peterson Institute for International Economics (PIIE) in Washington, «war diese Form von aktiver Intervention notwendig, um die Risikobereitschaft von Anlegern zu erhöhen» und die Banken zu weiterer Kreditvergabe zu ermuntern, speziell an Klein- und Mittelbetriebe. Wichtiger noch als die Zinssenkungen ist nach Ansicht des ehemaligen Vorstandsmitglieds der Bank of England, dass Banken nun ihre Kredite zu ABS bündeln und wissen, dass sie in der EZB einen Kunden für diese besicherten Wertpapiere haben.

Posen zog eine Parallele zu den USA und meinte, dass «Europa effektiv so etwas wie Fannie Mae und Freddie Mac benötigt». Damit könnten die Voraussetzungen geschaffen werden für «einen Markt, auf dem Banken ihre illiquiden Vermögenswerte veräussern und somit ihre Bilanzen bereinigen können». Laut Posen habe in der Vergangenheit die Zinsspanne zwischen den Kernländern der Eurozone und den Peripheriestaaten die Effektivität der Geldpolitik untergraben und «zu einer Erosion der Währungsunion beigetragen». Dem könnte mit den nun beschlossenen Schritten entgegengewirkt werden.

Ein Ökonom bei der US-Notenbank, der nicht namentlich zitiert werden wollte, wies hingegen auf das drohende Auseinanderdriften der EZB und des Fed hin. «Während wir auf Kurs sind, den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik fortzusetzen und die Zinsen zu erhöhen, bewegen sich die Europäer nun in die genau entgegengesetzte Richtung.» Dies könne einerseits über eine Verteuerung des Dollars in Relation zum Euro die Wettbewerbsfähigkeit der US-Exportwirtschaft gefährden. Auf der anderen Seite sei aber zu bedenken, dass wechselkursbedingte niedrigere Einfuhrpreise in den USA die Inflation in Schach halten würden. «Es war so oder so ein historischer Schritt, den die EZB vorher unmissverständlich angedeutet hatte», meint Mark Luschini, Chief Investment Strategist beim Wertpapierhaus Janney Montgomery Scott. «Diese hohe Transparenz ist gut gewesen, denn sie hat die Märkte auf die Entscheidung vorbereitet und somit die Volatilität der Reaktionen deutlich verringert.»