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US-Pionier für Saugroboter kauft Schweizer Luftreinigungsprofi

Die in New York kotierte iRobot verleibt sich Aeris aus Zug ein. Die Aktien des Roomba-Erfinders stehen seit geraumer Zeit unter Druck.

Das Schweizer Luftreinigungsunternehmen Aeris Cleantec wird von der US-Gesellschaft iRobot (IRBT 71.58 -2.85%) übernommen. Wie Aeris mit Sitz im Zuger Cham mitteilt, liegt der Kaufpreis im hohen zweistelligen Millionenbereich. Weitere finanzielle Details wurden nicht bekannt gegeben.

Aeris mit Sitz im Zuger Cham wurde 2015 von den ETH-Studenten Pierre Bi und Constantin Overlack gegründet. Laut Verwaltungsrat Stefan Mühlemann, Gründer des erfolgreichen Schweizer Fintech-Start-up Loanboox, hat Aeris ein rasantes Wachstum hingelegt und bietet heute intelligente Luftreiniger für den professionellen Gebrauch wie für zu Hause. Die Produkte finden Absatz in der Schweiz, Europa, den USA, China und Australien. Aeris habe verstärkt Nachfrage während der Coronapandemie erfahren.

Ziel: Weltmarktführer

Mit dem Verkauf wird Aeris gemäss Mühlemann das Wachstum ihrer Marke beschleunigen und auf einen Schlag zu einem der grössten Akteure in ihrem Markt werden, der auf 5 Mrd. $ geschätzt wird und in den kommenden fünf Jahren rund 10% pro Jahr wachsen dürfte. Das Unternehmen strebe nun die Weltmarktführerschaft an.

Die Aeris-Gründer würden weiter für iRobot tätig sein und den Produktbereich Luftreinigung, einschliesslich Engineering, Produktmanagement und Design, leiten. Das Unternehmen beschäftige derzeit über dreissig Mitarbeiter, die alle von iRobot übernommen würden.

Das US-Unternehmen mit Sitz im US-Bundesstaat Massachusetts wolle den Produkten von Aeris neue Funktionen hinzufügen und sie in sein bestehendes Ökosystem vernetzter Heimroboter integrieren. Die Übernahme solle «den Verbrauchern neue Möglichkeiten bieten, ihr Zuhause sauberer und gesünder zu halten», sagt Colin Angle, Chef von iRobot. Das an der Nasdaq kotierte Unternehmen ist ein führender Anbieter von autonomen Staubsaugrobotern und hat dieses Segment mit der Einführung des sogenannten Roomba im Jahr 2002 praktisch begründet.

Titel drängen sich nicht auf

Die Aktie hat seit der Kotierung im Jahr 2005 über 145% an Wert zugelegt. In den vergangenen sechs Monaten hat sie allerdings gut 7% verloren, in den letzten fünf Tagen nochmals knapp 3%. Ein Einstieg drängt sich momentan nicht auf. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) über 33 kommen die Titel teuer daher. Für dieses Jahr stellt iRobot einen Umsatz von bis zu 1,59 Mrd. $ in Aussicht, die Analysten erwarten allerdings einen Gewinneinbruch von rund einem Viertel, bei einer mageren Gewinnmarge von 4,5%.

Dem Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 2,4 Mrd. $ macht die Angebotsknappheit auf dem Halbleitermarkt zu schaffen. Die derzeitigen globalen Lieferkettenengpässe tun ihr Übriges. Zudem gibt es mittlerweile einige Konkurrenz auf dem Markt für Robostaubsauger und verwandte Helferlein. Auch kommendes Jahr könnten die Schwierigkeiten andauern.

Potenzial messen die Analysten dem Unternehmen allerdings durchaus bei. Sie empfehlen die Titel mehrheitlich mit «Halten» und einem Zwölfmonatskursziel, das rund ein Viertel über dem jetzigen Niveau liegt. Das Alleinstellungsmerkmal von iRobot soll das erwähnte Ökosystem sein, mit verschiedenen Robotern und intelligenter Haushaltselektronik, die miteinander kommunizieren und sich so optimal auf den Nutzer einstellen sollen. Aeris aus Cham soll nun ein weiteres Puzzleteil dabei sein.