Märkte / Makro

US-Staatsanleihen überschreiten wichtige Schwelle

Zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren weisen zehnjährige Treasuries eine Rendite über 3% aus.

Um Viertel vor zehn Uhr vormittags war es so weit. Zum ersten Mal seit Januar 2014 rentierten zehnjährige US-Staatsanleihen wieder mehr als 3%. Die Rendite kletterte zwar nur für ein paar Minuten auf 3,001%. Aber das reichte. Marktbeobachter sprachen von einem Meilenstein. Es macht zwar keinen signifikanten Unterschied, ob zehnjährige Treasuries 2,999 oder 3,001% rentieren. Denn die Schwelle hat an und für sich keine Bedeutung. Der Wert ist aber psychologischer Natur. Für Jeffrey Gundlach von DoubleLine Capital ist die Schwelle beispielsweise ein wichtiger Indikator, um zu bestimmen, ob der dreissigjährige Bullenmarkt der Anleihen vorbei ist. Seit 1981 sind die Renditen von US-Staatsanleihen gesunken und die Preise entsprechend gestiegen. Damals betrug die Rendite noch mehr als 15%. Im Juli 2016 erreichte sie mit 1,37% den Tiefpunkt. Seither geht es wieder bergauf. Anfang Jahr betrug die Rendite 2,41%. Der Anstieg liegt unter anderem an der restriktiveren Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank. Nach dem Beenden der letzten Folge des Programms quantitativer Lockerung Ende 2014 begann sie im Dezember 2015 mit der ersten Zinserhöhung. Seither hat sie kontinuierlich weitergemacht. Gefolgt ist ihr die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihen. Die zehnjährigen Staatsanleihen folgen weniger der Geldpolitik. Sie spiegeln vielmehr die langfristigen Inflations- und Konjunkturerwartungen der Investoren. Da die Rendite der zweijährigen Staatsanleihen in den vergangenen Monaten deutlich schneller gestiegen ist als diejenige der zehnjährigen, hat sich die Zinskurve zuletzt deutlich abgeflacht. Gemessen an der Rendite von inflationsgeschützten US-Staatsanleihen ist die Inflationserwartung der Marktteilnehmer in den vergangenen Monaten gestiegen. Die Rendite von US-Staatsanleihen betrifft nicht nur Anleger mit Treasuries im Depot. Sie betrifft alle Schuldner im In- und Ausland, die in US-Dollar Geld am Kapitalmarkt aufnehmen wollen. Von der Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen leitet sich zudem eine Vielzahl von Produkten wie Hypotheken, Autokredite, aber auch Studentenkredite ab. Zudem reduziert ein höherer Zins den Wert von zukünftigen Geldflüssen und drückt damit auf den Wert von Aktien. Ob das Überschreiten der Schwelle nur ein Strohfeuer war oder doch der Meilenstein ist, wird sich erst zeigen. Früher oder später müssen sich die Investoren aber wieder an die Konsequenzen einer strafferen Geldpolitik gewöhnen. Dass dies schon bald der Fall sein könnte, zeigten die letzten Minuten des Handels, als die Rendite erneut den Wert von 3% erklomm und den Tag mit 3,001% beendete.

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