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US-Steuerreform hält das Federal Reserve auf Trab

Die amerikanische Notenbank rechnet damit, dass die Steuerkürzungen die Konjunktur anheizen. Die Zinsen könnten deshalb schneller steigen als erwartet.

Christoph Gisiger, Los Angeles

Wie wird sich das neue Steuergesetz auf Unternehmen und Konsumenten in den Vereinigten Staaten auswirken? Diese Frage beschäftigt derzeit nicht nur Investoren. Auch der Vorstand des Federal Reserve setzt sich damit intensiv auseinander, wie das Protokoll zur letzten Sitzung der US-Notenbank zeigt.

«Viele Teilnehmer waren der Ansicht, dass die vorgeschlagenen Änderungen zur Unternehmenssteuer den Kapitalausgaben einen moderaten Schub geben werden», heisst es dazu in den Unterlagen zum Fed-Treffen vom 12. und 13. Dezember. «Der Umfang dieser Effekte ist allerdings ungewiss», steht weiter im Protokoll, das am Mittwoch veröffentlicht worden ist.

Auch über die Auswirkungen auf die Haushalte hat der Fed-Vorsitz ausführlich diskutiert. «Viele Teilnehmer erwarteten, dass die Steuersenkungen für Privatpersonen die Konsumentenausgaben stimulieren werden», halten die Aufzeichnungen fest. Auch hier waren sich die Währungshüter über den genauen Umfang allerdings im Unklaren.

Trumps Weihnachtsgeschenk

Das Steuergesetz, das Präsident Trump kurz vor Weihnachten in Kraft gesetzt hat, senkt die Unternehmenssätze von 35 auf 21%. Zudem werden Abgaben bei der Rückführung von Gewinnen aus dem Ausland reduziert. Auch die meisten Haushalte müssen weniger Steuern zahlen, wobei diese Kürzungen allerdings nur temporär sind.

Eine zentrale Frage an den Finanzmärkten ist deshalb, inwiefern die Steuerreform die Geldpolitik des Federal Reserve beeinflussen wird. An der Sitzung vor drei Wochen hat der Vorsitz der US-Notenbank für 2018 drei weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Für nächstes Jahr sollen es nochmals zwei sein. Bis Ende 2019 würde sich der Leitzins damit gegen 3% bewegen.

Die amerikanische Wirtschaft hat 2017 spürbar an Dynamik gewonnen. Heizen die Steuerkürzungen die Konjunktur zusätzlich an, könnte das Fed die Geldpolitik schneller straffen als vorgesehen. So hat das Fed-Gremium über «mehrere Risiken diskutiert, die einen steileren Pfad bei der Erhöhung des Leitzinses erforderlich machen würden». Dazu zählten vorab die Folgen der Steuerreform sowie die lockere Stimmung an den Kreditmärkten.

Dow nimmt 25’000 ins Visier

An Wallstreet wurden die Nachrichten aus der US-Notenbank freundlich aufgenommen. Der Dow Jones schloss am Mittwoch 0,4% fester auf einem neuen Allzeithoch von 24’923. Noch besser schnitt der Technologieindex Nasdaq Composite ab. Am Bondmarkt notierte die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen wenig verändert auf 2,45%. Der Preis für eine Unze Gold gab leicht auf 1314.10 $ nach.

Ausser der Steuerreform gab an der Fed-Sitzung auch die Veränderung der Zinskurve viel zu reden. Gemessen an der Renditedifferenz zwischen zehn- und zweijährigen Staatsanleihen hat sie sich seit Ende 2016 von rund 1,3 auf 0,5 Prozentpunkte verflacht. Für manche Investoren ist das ein Warnsignal, dass die Notenbank die Zinsen am kurzen Ende zu stark straffen und damit das Wachstum abwürgen könnte.

An der Sitzung von Mitte Dezember war sich der Vorsitz des Federal Reserve zwar «generell darüber einig, dass die aktuelle Form der Zinskurve im historischen Vergleich nicht ungewöhnlich» sei. Dennoch äusserten «mehrere Teilnehmer» Bedenken und mahnten, dass es «wichtig ist, die Neigung der Zinskurve weiterhin zu beobachten».

Nächster Zinsschritt im März

Den nächsten Zinsentscheid fällen die amerikanischen Währungshüter am 31. Januar. Es wird die letzte Sitzung unter der Leitung von Fed-Chefin Janet Yellen sein, die ihr Amt am 3. Februar an den Notenbankgouverneur Jerome Powell abtritt. An den Terminmärkten wird damit gerechnet, dass es Mitte März zur nächsten Straffung der Geldpolitik kommt.

Neue Anhaltspunkte zur Verfassung der US-Wirtschaft gibt es am Freitag, wenn die Zahlen zum Arbeitsmarkt veröffentlicht werden. Ökonomen rechnen damit, dass im Dezember rund 190’000 Stellen hinzugekommen sind, nachdem es im November fast 230’000 waren. Die Arbeitslosenquote wird unverändert auf 4,1% geschätzt.

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