Märkte / Makro

US-Konsumentenpreise steigen schneller

US-Dienstleistungen sowie Energie kosten mehr als im Vorjahresmonat. Experten hatten damit gerechnet, dass die Rate auf dem August-Niveau verharrt.

(Reuters) Der ohnehin starke Preisauftrieb in den USA hat sich im September überraschend beschleunigt. Waren und Dienstleistungen kosteten 5,4% mehr als im Vorjahresmonat, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Damit wurde das 13-Jahres-Hoch vom Sommer erneut erreicht. Von Reuters befragte Experten hatten damit gerechnet, dass die Inflationsrate auf dem August-Niveau von 5,3% verharrt. Besonders Energie kostet erheblich mehr: Kraftstoffe etwa verteuerten sich um 42,1%. Wegen Knappheiten waren auch Gebrauchtwagen und -Lkw teurer als im September 2020. Hier lag der Aufschlag bei 24,4%.

«Ein wesentlicher Grund sind die Energiepreise», sagte NordLB-Analyst Bernd Krampen zur hartnäckig hohen Inflation. «Aber auch Nahrungsmittel, Güterengpässe, Lieferunterbrechungen, Hafenschliessungen, Containermangel halten den Preisdruck hoch.» Viele Experten sehen noch kein Ende der Inflationsspirale, zumal auch die Mieten zuletzt merklich gestiegen sind. «Angesichts der auch im Oktober weiter anziehenden Notierungen für Energie könnte sich die Vorhersage mancher Ökonomen, dass der Höhepunkt der US-Inflation schon hinter uns liegt, als voreilig herausstellen», sagte LBBW-Volkswirt Dirk Chlench. Das schlage auf die Verbraucher durch. So kostet Erdöl aktuell mit rund 80 Dollar je Fass so viel wie seit Jahren nicht mehr, weil mit der Erholung der Weltwirtschaft von der Corona-Pandemie die Nachfrage steigt. Auch die Preise für Erdgas (Erdgas 1.82 -3.75%) sind kräftig angezogen.

US-Notenbankchef Jerome Powell machte für die hohe Inflation vor allem Engpässe in der Lieferkette verantwortlich. Er hielt das bislang für ein vorübergehendes Phänomen. Allerdings gibt es derzeit noch keine Anzeichen dafür, dass der Mangel an wichtigen Produkten wie Halbleitern zu Ende geht. Die US-Notenbank, die Vollbeschäftigung und stabile Preise anstrebt, hat die Zahlen genau im Blick. Angesichts der erhöhten Inflation und der fortschreitenden Erholung am Arbeitsmarkt nach dem Corona-Schock fasst sie ein Herunterfahren ihrer Krisenhilfen ins Auge. «Wegen der Inflationsrisiken dürfte die Fed im November beschliessen, die Anleihenkäufe zu reduzieren, auch wenn die Wirtschaft zuletzt an Schwung verloren hat», sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Balz.

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