Märkte / Makro

Erholung am US-Jobmarkt macht nur kleine Fortschritte

Die amerikanische Wirtschaft schafft im Oktober 638'000 Arbeitsplätze. Die Arbeitslosenrate sinkt auf 6,9%.

(Reuters) Der US-Arbeitsmarkt kommt auf dem Weg der Erholung nach den Entlassungswellen der Corona-Krise nur noch in kleinen Schritten voran. Im Oktober schufen die Firmen ausserhalb der Landwirtschaft 638’000 Stellen, wie die Regierung am Freitag mitteilte. Im September waren es 672.000. Der Stellen-Zuwachs im Oktober ist der geringste, seit die Erholung im Mai einsetzte: «Grund genug für die US-Notenbank Fed, an ihrer extrem lockeren Geldpolitik festzuhalten oder im Bedarfsfall weitere Massnahmen zu ergreifen», meint Helaba-Ökonom Ulrich Wortberg.

Fed-Chef Jerome Powell betonte jüngst, die Notenbank werde die Mio. Amerikaner nicht aus dem Blick verlieren, die derzeit ohne Job seien. Zugleich stiess er die Tür für neue Konjunkturhilfen auf, falls die Wirtschaft im Zuge der Corona-Pandemie wieder ins Trudeln geraten sollte.

Die in einer getrennten Umfrage ermittelte Arbeitslosenquote fiel im Oktober deutlicher als erwartet – und zwar um einen vollen Punkt auf 6,9%. Die Zahlen haben in der Krise jedoch etwas an Aussagekraft verloren, da sich Befragte fälschlicherweise als «beschäftigt, aber abwesend vom Arbeitsplatz» und nicht als «zeitweise arbeitslos» einstuften.

Die Arbeitslosenquote ist mittlerweile nicht einmal mehr halb so hoch wie auf dem Scheitelpunkt der Krise im April, als 14,7% der Amerikaner ohne Stelle waren. «Per Saldo steht dennoch seit März noch immer ein Abbau von mehr als 10 Mio. Jobs zu Buche. Der beachtliche Kahlschlag am US-Arbeitsmarkt kostete Donald Trump vermutlich das Amt», meint Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank (VPBN 115.80 +1.94%): «Die einfache Formel lautet: Läuft es am Arbeitsmarkt nicht gut, läuft es für den Präsidenten nicht gut.»

«Die Arbeitslosigkeit dürfte bald langsamer sinken, weil etliche Personen aus der ‘stillen Reserve’ wieder Arbeit suchen dürften», erklärte Commerzbank-Ökonom Christoph Balz. Zudem liege der Beginn der Pandemie inzwischen mehr als ein halbes Jahr zurück. Der Anteil der Langzeitarbeitlosen sei daher auf ein Drittel gestiegen: «Erfahrungsgemäss haben diese Personen deutlich mehr Schwierigkeiten, eine neue Stelle zu finden.»

Nach einer Prognose der Landesbank LBBW wird das US-Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020 um 3,6% schrumpfen. «Somit wird der Absturz der US-Wirtschaft trotz des chaotischen Corona-Managements der US-Administration weniger tief ausfallen als in anderen Industriestaaten, etwa Deutschland, Japan oder dem Vereinigten Königreich», so LBBW-Ökonom Dirk Chlench. Dies könnte seiner Ansicht nach einer der Gründe dafür gewesen sein, dass der von vielen Auguren prophezeite Erdrutschsieg der Demokraten bei den US-Wahlen ausgeblieben ist.