Märkte / Makro

Schwache US-Jobdaten erschweren Zinsschritt

Dem Federal Reserve steht nach dem Arbeitsmarktbericht an der nächsten Zinssitzung in zweieinhalb Wochen ein schwieriger Entscheid bevor. Die Konjunkturlage spricht für ein Abwarten bis Dezember.

Schwächer als erwartet, aber keineswegs schlimm: Das ist das Fazit zu den aktuellsten Daten aus dem amerikanischen Arbeitsmarkt. Im August sind 151 000 Stellen hinzugekommen, was unter den Erwartungen liegt. Ökonomen hatten im Schnitt mit rund 180 000 neuen Jobs gerechnet. Kaum ins Gewicht fällt die Revision der Zahlen zum Juni und Juli. In den beiden Vormonaten wurden insgesamt tausend Stellen weniger geschaffen als ursprünglich geschätzt. Die Arbeitslosenquote, die in einer separaten Umfrage erhoben wird, bleibt unverändert auf 4,9%. Im Vorfeld wurde gehofft, dass sie auf 4,8% sinken würde.

Dem Federal Reserve steht an der nächsten Sitzung in zweieinhalb Wochen damit ein schwieriger Entscheid bevor. Die US-Notenbank will bis Ende Jahr mindestens einen weiteren Zinsschritt machen, wobei im Vorsitz jedoch Uneinigkeit über den Zeitpunkt herrscht. Wichtig ist vor diesem Hintergrund, dass auch die Details zum Arbeitsmarktbericht eher mässig ausfallen. Das gilt speziell für die Entwicklung der Löhne. Mit durchschnittlich 25.73 $ pro Stunde sind sie im August 2,4% zum Vorjahresmonat gestiegen, was der geringsten Zunahme seit März entspricht. Keine Verbesserung zeigt sich zudem bei der Erwerbsquote, die sich mit 62,8% nach wie vor auf dem tiefsten Niveau seit Ende der Siebzigerjahre bewegt.

Stellenabbau im Ölsektor

«Der Bericht zum Arbeitsmarkt enttäuscht, was eine Zinserhöhung im September weniger wahrscheinlich macht», denkt Marc Chandler, Chef-Devisenstratege bei der Privatbank Brown Brothers Harriman. Nach Branchen haben vor allem das Gastgewerbe, Sozialdienste, die Gesundheitsindustrie und der Finanzsektor einen Stellenzuwachs verzeichnet. Erneut rückläufig ist der Trend im Rohstoffbereich, zu dem auch die Öl- und Gasförderung zählt. Hier sind seit dem Hoch vom Herbst 2014 inzwischen mehr als 220 000 Jobs gestrichen worden. Konstant ist die Lage in den meisten anderen Branchen wie Bau, Industrie, Detailhandel und Transport sowie im öffentlichen Dienst.

Aus der US-Notenbank sind bislang keine klaren Signale gekommen. Fed-Präsidentin Janet Yellen hat vor einer Woche in einer Schlüsselrede am Wirtschaftssymposium von Jackson Hole zwar gesagt, dass «sich die Argumente für eine Zinserhöhung verstärkt haben». Keine Aussage machte sie aber zum möglichen Zeitplan für einen solchen Schritt. Einen strengeren Ton schlägt Vizechef Stanley Fischer an. In einem TV-Interview unmittelbar nach Yellens Referat gab er sich optimistisch, dass eine Straffung am kommenden Fed-Treffen durchaus im Bereich des Möglichen liege.

Rückenwind für Zinstauben

Wenn das Fed bereits am nächsten Treffen ernst machen will, muss es sich sicher über den Konjunkturausblick sein. Für eine vorsichtige Einschätzung sprechen die Daten aus der Industrie. Dort ist der ISM-Index zur Auftragslage zuletzt unter 50 gefallen, was eine Kontraktion bedeutet (vgl. Artikel links). «Obwohl der Rückgang möglicherweise übertrieben ist, wird er die Position der Mitglieder im Fed stützen, die für ein Abwarten plädieren, bis mehr Klarheit besteht», denkt Jim O’Sullivan vom Researchdienst High Frequency Economics.

An den Finanzmärkten lösten die Jobdaten keine grössere Reaktion aus. In den USA wird erst am Dienstag nach dem Labor-Day-Wochenende wieder gehandelt, weshalb wohl viele Trader kein Risiko eingehen wollten. An der Terminbörse CME stuften Investoren am Freitag die Chance auf eine Zinserhöhung an der kommenden Fed-Sitzung nur noch auf 26% ein. Das, nachdem sie nach der Jackson-Hole-Konferenz auf rund 40% gestiegen war. Für das Fed-Treffen im Dezember beträgt die Wahrscheinlichkeit hingegen mehr als 60%.