Meinungen

US-Zölle zeugen von Ignoranz

Mit der Einführung von Importzöllen auf Stahl und Aluminium wird US-Präsident Donald Trump der eigenen Wirtschaft schaden. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Martin Lüscher.

«Fair ist an einseitigen Handelshemmnissen überhaupt nichts.»

US-Präsident Donald Trump will fairen Handel. Darum plant er die Einführung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminiumimporten. Dies ist ein Widerspruch in sich. Denn fairer Handel bedeutet nicht – wie dies Trump am Freitag erneut per Twitter (TWTR 36.29 -0.98%) behauptete –, dass Handelspartner eine ausgeglichene Handelsbilanz ausweisen. Es bedeutet, dass den Partnern gleicher Zugang zu den jeweiligen Märkten gestattet wird. Fair ist an einseitigen Handelshemmnissen überhaupt nichts.

Mit den Strafzöllen zielt Trump direkt auf China, dessen Handelspolitik er in den vergangenen Jahren wiederholt angeprangert hat. Aufgrund von Überkapazitäten in der Stahlproduktion hat China über lange Zeit den Markt mit billigem Stahl geflutet. Heute sieht das aber anders aus. Exportierte China 2008 gemäss der amerikanischen Behörde für Aussenhandel noch Stahl im Wert von 2,7 Mrd. $ in die USA, belief sich die Summe im vergangenen Jahr nur noch auf 637 Mio. $. China zählte von Januar bis September 2017 nicht einmal mehr zu den zehn wichtigsten Stahllieferanten der USA, sondern rangierte auf Platz elf.

Trump rechtfertigt die Strafzölle mit dem Schutz der nationalen Sicherheit. So sind beispielsweise auch Rüstungsunternehmen wie Lockheed Martin (LMT 355.73 0.63%) auf Stahlimporte angewiesen. Diese Begründung überzeugt aber nicht. Denn die drei wichtigsten Stahllieferanten der USA sind Kanada, Brasilien und Südkorea. Die beiden Verbündeten Kanada und Südkorea sind zusammen für ein Viertel der Stahlimporte in die USA verantwortlich. Sie werden am meisten unter den Massnahmen leiden.

Schaden nehmen werden auch die amerikanischen Industrieunternehmen, die für ihre Produkte Stahl und Aluminium benötigen. Dazu gehören Autofabrikanten wie General Motors (GM 36.78 0.22%) und Ford (F 10.1 1.3%), Maschinenbauer wie Caterpillar (CAT 130.61 0.21%) und Deere (DE 159.94 0.35%) sowie Flugzeugbauer wie Boeing (BA 368.56 -1.44%). Sie alle werden höhere Rohstoffpreise schultern müssen. Entweder geht dies auf Kosten der Marge oder die Unternehmen geben die höheren Inputpreise an die Kunden weiter.

Profitieren dürften einzig die amerikanischen Produzenten von Stahl und Aluminium. Die Strafzölle dürften zu höheren Preisen in den USA führen und damit die Produktion anregen. Hingegen dürfte der Einfluss auf die Anzahl der Arbeitsplätze gemäss den Ökonomen Lydia Cox von Harvard und Kadee Russ von der Universität von Kalifornien wegen technologischer Innovation gedämpft sein. Von 2006 bis 2016 sank die Zahl der Arbeiter in der Stahlindustrie 10% auf 140 000. Gleichzeitig stieg die Produktionsmenge pro Mitarbeiter aber 20%.

Trump greift mit den Massnahmen einem schrumpfenden Industriezweig unter die Arme dies unter anderem auf Kosten der zwei Millionen Arbeiter, die in der Stahlverarbeitung angestellt sind. Denn angesichts höherer Inputkosten wird sich das verarbeitende Gewerbe in Zukunft genau überlegen, ob es die Produktionskapazität in den USA oder nicht besser im Ausland ausbauen will.

Leser-Kommentare

Nader Rodolfo Fassbind 06.03.2018 - 10:54
Strafzölle sind eine Botschaft an seine Kern-Wähler, welche diese Zusammenhänge überhaupt nicht verstehen und ihm alles glauben, also er tue etwas für sie. Das weiss er ganz genau und opfert damit Millionen von Arbeitern, die das wiederum leider auch nicht verstanden haben. Damit kann er sich als Held profilieren, der eine ganze Nation rettet. Das ist Wahlkampf auf kosten aller.… Weiterlesen »