Märkte / Makro

Der US-Arbeitsmarkt enttäuscht

Die erwartete Aufhellung am Arbeitsmarkt ist ausgeblieben. Die USA haben im September nicht mal halb so viele Stellen wie vorhergesagt geschaffen.

(Reuters) Der US-Arbeitsmarkt hat im September kaum Fortschritte gemacht und liefert der Notenbank Fed noch keine schlagenden Argumente für eine Abkehr vom Krisenmodus. Es entstanden lediglich 194’000 neue Jobs ausserhalb der Landwirtschaft, wie die Regierung in Washington am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit 500’000 gerechnet. Zugleich wurden die August-Zahlen allerdings nach oben korrigiert, und zwar von 235’000 auf 366’000. Die getrennt ermittelte Arbeitslosenquote sank auf 4,8 von zuvor 5,2% und damit stärker als erwartet.

Paradox wirkt auf den ersten Blick, dass der Stellenaufbau nur mässig ausfiel, die Erwerbslosenquote aber deutlich sank. Doch die Zahlen basieren auf zwei unterschiedlichen Datensätzen: eine Haushaltsumfrage, aus der die Arbeitslosenquote berechnet wird und einer Arbeitgeberumfrage, aus der die Jobzahlen gewonnen werden.

«Kaum ein Volkswirt hatte einen derart niedrigen Beschäftigungsaufbau erwartet», wie LBBW-Ökonom Dirk Chlench anmerkt. Offenbar sei der Rückgang der Corona-Neuinfektionen im September nicht hinreichend gross gewesen, um sowohl mehr Kunden in Geschäfte und Restaurants zu locken als auch Arbeitssuchende zu ermutigen, dort einer Beschäftigung nachzugehen.

Die US-Notenbank Fed hat die Zahlen genau im Blick. Eine nachhaltige Erholung am Jobmarkt gilt als eine notwendige Voraussetzung dafür, dass die Fed schon bald ihre massiven Konjunkturspritzen niedriger dosieren kann. US-Notenbankchef Jerome Powell hatte gesagt, ihm würde mit Blick auf das Arbeitsmarktziel bereits ein «ordentlicher» Arbeitsmarktbericht im September genügen. Ob die Zahl von 194’000 neuen Stellen ausreicht, um die Fed schon bald zum Herunterfahren (Tapering) ihrer Wertpapierkäufe im Volumen von monatlich 120 Mrd. $ zu bewegen, ist nun eine offene Frage: «Der Stellenzuwachs ist eine grosse Enttäuschung», meint Chefökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe.

Doch mit Blick auf die Inflation werde der Anstieg der Stundenlöhne bedrohlicher. Diese legten im September zum Vormonat um 0,6% und zum Vorjahr sogar um 4,6% zu. «Gerade deshalb wird die Fed ihre Tapering-Vorankündigung kaum einkassieren», so die Ansicht von Ökonom Krüger. Anfang November werde das Tapering-Signal auf Grün geschaltet.

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