Meinungen

Vage Parameter

Die Berichtssaison bringt etwas Licht ins Dunkel. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Rainer Weihofen.

«Mit aussagekräftigen Vorhersagen für das zweite Halbjahr ist jedoch nur in Ausnahmefällen zu rechnen.»

Es wird spannend. Wenn die Unternehmen in wenigen Wochen ihre Halbjahresberichte vorlegen, kommt wenigstens etwas Licht in die pandemiebedingte Dunkelheit der vergangenen Monate. Auch bei den Unternehmen, die keine offensichtlichen Gewinner oder Verlierer des Lockdowns waren, werden die Wirkungen erkennbar. Mit aussagekräftigen Vorhersagen für das zweite Halbjahr ist jedoch nur in Ausnahmefällen zu rechnen.

Die Unsicherheiten sind für die Unternehmen einfach noch zu gross, auch wenn in manchen Ländern einschliesslich der Schweiz seit einigen Tagen angesichts vielfältiger Lockerung das Gefühl Oberhand gewinnt,  «Business as usual» wäre fast wieder erreicht. Doch dem ist nicht so.

Viele Parameter sind weiterhin vage. Kommt eine zweite Infektionswelle, und wenn, wie stark wird sie sein? Wird die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten steigen und den leicht beschleunigten Konsum wieder bremsen? Werden die Unternehmen zu Investitionen bereit sein? Zudem sollten wir die Entwicklungen jenseits von Covid-19 nicht ganz aus den ­Augen verlieren, wie zum Beispiel den Handelskrieg zwischen den USA und China, der intensiver und aggressiver zu werden scheint.

Die bevorstehenden Halbjahresberichte werden für mehr Klarheit über die aktuelle Lage der Unternehmen sorgen. Das sollte aber nicht dazu verleiten, die krisengeprüfte Vorsicht aufzugeben. Eine solide Bilanz mit genügend Liquidität und ein Geschäftsmodell, das langfristig trägt, sind nach wie vor elementar und stehen für Anlageentscheide ganz oben auf der Checkliste.

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