Meinungen

Value-Fallen meiden

Es gibt keine Garantie, dass scheinbar günstige Titel besser performen. Oft wurden sie zu Recht abgestraft. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Auch beim systematischen Investieren ist immer entscheidend, welche einzelnen Aktien man sich ins Portfolio holt.»

Wer hat, dem wird gegeben. Das gilt jetzt auch für Aktien. Die grossen Technologietitel wurden von Kritikern vor ­Jahren schon als zu teuer abgeschrieben. Seitdem klettern sie von Hoch zu Hoch. Die günstigsten Aktien – legt man Bewertungsmasse wie Kurs-Gewinn- oder Kurs-Buch-Verhältnis zugrunde – werden dagegen gemieden

Seit Jahren heisst es von den Verfechtern des Value-Ansatzes: Je mehr diese Aktien hinterherhinken, desto besser wird ihre künftige Performance ausfallen. Es stimmt, dass in der Vergangenheit die günstigen Valoren eine Performanceprämie gegenüber dem Gesamtmarkt geliefert haben. Und es ist nicht auszuschliessen, dass dem schlechten Lauf der Value-Titel nun tatsächlich eine extreme Erholung folgt. Aber wetten würde ich darauf nicht. 

Systematisches Anlegen nach Faktoren wie Value oder Momentum hat seine Meriten. Aber am Ende ist immer entscheidend, welche einzelnen Aktien man ins Portfolio holt. Die günstigsten Titel wurden in den vergangenen Jahren oft zu Recht abgestraft – die Unternehmen wachsen weniger und schreiben weniger Gewinn.

Zu den gemäss Kurs-Buch-Verhältnis günstigsten Valoren gehören diejenigen von Geldhäusern wie Deutsche Bank (DBK 7.672 -1.4%), von Autobauern wie Hyundai (HYUD 31.6 -1.56%) und von Rohstoffgiganten wie Gazprom (OGZD 4.75 -2.06%). Wer auf solche Aktien wettet, holt das spezifische Risiko ­dieser Einzeltitel und Branchen ins Portfolio. Kommen die europäischen Banken aus ihrem langen Siechtum? Können sich die klassischen Autobauer gegen die elektrische Konkurrenz behaupten? Werden die Rohstoffpreise langfristig steigen? Solche Fragen lassen sich mit keinem Bewertungsmass der Welt beantworten.