Für die VAT-Aktie fanden sich auch noch im Frühling zweifellos Kaufargumente, und wahrscheinlich sind manche davon auch heute noch gültig. Doch die Preise fallen, und darum sucht sich der überwiegende Teil der Investoren jetzt lieber neue, zum Status quo passende Argumente.

Man kann sich fragen, weshalb das am langen Ende nicht klappt. Vielleicht funktioniert die Sache mit den Gründen deswegen nicht, weil die Aktien an einem Markt gehandelt werden. Da haben jeweils Käufer und Verkäufer ihre Motive. Aber der Kurs entsteht allein aufgrund des Spiels zwischen Angebot und Nachfrage, und das gilt sowohl am Gemüse- und Immobilien-, als auch am Aktienmarkt.

Weiteres Abbröckeln

Erstaunlich vielen Investoren fällt es schwer, die an anderen Märkten üblichen Preisbildungsmechanismen auch an den Finanzmärkten zu akzeptieren. Letztlich stehen sie damit dem eigenen Erfolg im Weg. Für die VAT-Aktie gab es im Frühling sehr wohl sachliche Verkaufsargumente, und die konnte hören, wer sie hören mochte.

Einen nachhaltigen Kursboden hat der Titel wahrscheinlich noch nicht erreicht. Das Marktverhalten lässt aber erwarten, dass der Grossteil der Strecke nach unten in der Zwischenzeit schon zurückgelegt worden ist. Nach aktuellem Stand ist dieser im Bereich zwischen 80 und 85 Fr. zu erwarten.

Um mit dieser Einschätzung arbeiten zu können, braucht es einen Plan – und dafür müssen Ziele definiert werden. Das erste Opfer in einer Schlacht ist aber eben meistens dieser Plan, der aus kurzfristigem Opportunismus wieder über Bord geworfen wird.

Swiss Life gefragt

Die Aktie von Swiss Life liegt trotz widriger Marktverhältnisse gut im Markt. Im Juli hat der Titel das Potenzial einer grossflächigen Konsolidierungsstruktur abgerufen, und jetzt scheint die Aktie das ebenso mit einer gleichartigen, aber kurzfristigeren Struktur zu machen. Läuft alles optimal, dann wird Swiss Life bald am Kursbereich 385/390 Fr. anklopfen. Es gibt also gute Gründe, in diesem Papier kurzfristig noch engagiert zu bleiben.

Dass die Aktie den Gesamtmarkt outperformt, sehen alle, und das ist ein gut zu belegendes und zu erklärendes Kaufargument. Zu irgendeinem Zeitpunkt werden wahrscheinlich aber alle Investoren, die nach Outperformern suchen, diesen Outperformer gekauft haben. Der Outperformer-Rückkopplungs-Mechanismus wirkt dann nicht mehr und schlägt in die Gegenrichtung um. Darüber kann sich ein strategisch vorgehender Investor schon jetzt seine Gedanken machen. Anschauungsmaterial für diesen Vorgang gibt es zurzeit am Markt genug. Underperformer braucht überhaupt niemand, am wenigsten die Gruppe, die Swiss Life zuletzt ausgerechnet wegen relativer Performance gekauft hat.

Bitte loggen Sie sich ein, um diesen Artikel vollständig zu lesen.

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.