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VAT kündigt Kurzarbeit an

Der Vakuumventilhersteller ergreift Massnahmen aufgrund der schwachen Halbleiterindustrie. Rund 400 Mitarbeiter sind betroffen.

(AWP/CC) Der Vakuumventilhersteller VAT Group (VACN 97.85 -2.44%) reagiert auf die bereits mit den Halbjahreszahlen manifest gewordene Abschwächung bei den Produktionsanlagen der Halbleiterindustrie. Bei der VAT Vakuumteile AG im St. Gallischen Haag wird deshalb für 400 Mitarbeiter Kurzarbeit eingeführt.

Die Kurzarbeit beginnt am 15. Oktober 2018 und soll in einer ersten Phase bis Ende Jahr begrenzt bleiben, teilte VAT am Mittwoch mit. Die Abschwächung in einigen Absatzmärkten, vor allem bei Produktionsanlagen für die Halbleiterindustrie, war bereits früher publiziert worden. Für die Kunden oder die Produktqualität soll sich dies in keiner Form nachteilig erweisen, hiess es weiter.

Halbleiter-Hersteller unter Druck

An der Börse kommen die Nachrichten nicht gut an. Die Aktien geben am Mittwochmorgen deutlich nach. Seit Jahresbeginn haben VAT 26% verloren. Auch Halbleiterhersteller wie AMS (AMS 47.16 -2.32%) (-43%) und U-Blox (UBXN 123.5 -0.8%) (-31%) haben Federn gelassen. Handelskonflikte und Sorgen um eine konjunkturelle Abkühlung belasten die Stimmung, zudem zeigten sich bereits finanzielle Folgen in den Zahlen und Prognosen.

Analysten sind nicht überrascht. Michael Foeth von der Bank Vontobel (VONN 63.4 -1.71%) sieht sich in der Ansicht bestätigt, dass die «Schwäche im Halbleitermarkt bis ins vierte Quartal 2018 und möglicherweise bis 2019 andauern wird». Er bestätigt die Einstufung «Halten», will das Kursziel von 132 Fr. aber überprüfen. Reto Amstalden von Baader Helvea («Kaufen», Kursziel 160 Fr.) schreibt in einem Kommentar, VAT könnte den finanziellen Ausblick anlässlich des Trading Update zum dritten Quartal am 25. Oktober anpassen. Langfristig und strukturell seien die Aussichten aber gut.

«Flexibilität bei den Kosten»

Die Experten sehen indes auch Positives. Die Ankündigung zeige, «dass VAT Flexibilität bei den Kosten an den Tag legen kann», meint ZKB-Analyst Alexander Koller («Übergewichten»). Er glaubt, dass Kunden von VAT bei sehr grossen Investitionsprojekten eine «Denkpause» eingelegt haben, wegen Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China.

Der sich verlangsamende Geschäftsgang ist dabei in der Tat nicht neu. Bereits im August berichtete das Unternehmen mit den Halbjahreszahlen über eine markante Verlangsamung beim Bestellungseingang. Dieser unterschritt die damaligen Prognosen der Analysten um über 10%.

Zudem wurde die Prognose für das Umsatzwachstum im Gesamtjahr markant zurückgenommen. Neu wird ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet, nachdem zuvor ein solches zwischen 15 und 20% in Aussicht gestellt worden war.

Geringeres Wachstumstempo

Die VAT-Aktien waren mit den Nachrichten von Anfang August markant unter Druck geraten. Das Unternehmen hatte die Investoren allerdings zuvor mit hohen Wachstumsraten verwöhnt. Und immerhin wächst es noch immer. So erhöhte sich der Umsatz im ersten Semester um über 18 Prozent und der Auftragseingang um gut 2%.

Schon seit 2017 und auch zu Beginn des Jahres 2018 sieht sich VAT mit einer Marktkorrektur infolge signifikanter Kapazitätsausweitungen bei den Halbleiterherstellern konfrontiert, wie es in der aktuellen Mitteilung analog zu jener vom August weiter hiess. Dies müsse nun zuerst verdaut werden.

Die wichtigsten Absatzmärkte dürften gemäss VAT zwar weiterhin wachsen, allerdings mit einem geringerem Tempo als bisher. Denn diverse grössere Fabrikerweiterungen in der Halbleiter- und Display-Industrie seien auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden.

Fundamentale Treiber des Geschäfts weiter intakt

Die allgemeinen Zukunftsaussichten und die fundamentalen Wachstumstreiber sieht das Unternehmen weiterhin positiv und erwähnt etwa die Digitalisierung, das Internet der Dinge oder selbstfahrende Fahrzeuge.

VAT erwartet deshalb auch für die Zukunft wieder positivere Wachstumsimpulse. Die Einführung der Kurzarbeit sei denn auch ein “klares Bekenntnis zur hochqualifizierten Belegschaft in Erwartung sich wieder verbessernder Wachstumsraten”.

Das Gesuch auf Kurzarbeit ist vom Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St. Gallen bewilligt worden. Nicht betroffen von der Kurzarbeit ist das Geschäft für Membranbeläge der zu VAT gehörenden Comvat AG.

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