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Vekselberg verpfändet OC-Oerlikon- und Sulzer-Pakete

Der russische Investor hat Sulzer- und OC-Oerlikon-Aktien verpfändet, um einen Kredit von 1 Mrd. Fr. zu erhalten. Das reicht für mehr als nur zur Refinanzierung von Schmolz + Bickenbach.

Die von Victor Vekselberg kontrollierte Liwet Holding mit Sitz in Zürich hat im April Kredite von 1 Mrd. Fr. aufgenommen. Der russische Investor hat dafür einen Grossteil seiner Beteiligungen an Sulzer (SUN 58.95 -0.59%) und OC Oerlikon (OERL 6.61 -0.60%) verpfändet. Die Mittel dienen der Refinanzierung von Gesellschaften, die von Vekselberg kontrolliert werden.

Kreditgeber sind die fünf Banken Natixis, Credit Suisse (CSGN 5.42 +0.07%), J.P. Morgan, Société Générale und ING. Die Laufzeit beträgt drei Jahre, mit sechs Daten für Teilrückzahlungen. Als Sicherung verpfändet wurden 9,34 Mio. Sulzer-Titel, entsprechend einem Anteil von 27,26%, sowie 134,8 Mio. Aktien von OC Oerlikon, was 41,72% ausmacht. Insgesamt besitzt Vekselberg 31% an Sulzer und 46,3% an OC Oerlikon.

Pakete sind fast 3 Mrd. Fr. wert

Zu Kursen vom 24. April waren die verpfändeten Pakete 1,45 Mrd. (Sulzer) und 1,42 Mrd. Fr. (OC Oerlikon) wert, aktuell sind es 1,25 Mrd. und 1,63 Mrd. Fr. Die Kurse müssten also schon massiv sinken, bis es zu einer Pfandverwertung käme.

Ans Licht kam die Transaktion am Donnerstag durch eine Meldung der Übernahmekommission, die routinemässig abzuklären hatte, ob die Verpfändung die Pflicht zu einem Übernahmeangebot durch die Banken auslöst, was erwartungsgemäss verneint wird. Die Banken bilden keine Beherrschungsgruppe. Ohnehin gibt es bei OC Oerlikon ein Opting-out, was eine Angebotspflicht ausschliesst, und der Sulzer-Anteil überschreitet die Meldeschwelle von 33,33% gar nicht erst.

Was kommt nach S+B?

Wie Vekselberg die 1 Mrd. Fr. aus dem Kredit einsetzen will, ist nicht bekannt. Ein Renova-Sprecher erklärte gegenüber FuW lediglich, die Kreditaufnahme solle für finanziellen Handlungsspielraum sorgen. Weitere Fragen wollte er nicht beantworten.

Unweigerlich kommt einem aber Schmolz + Bickenbach in den Sinn. Renova kommt ihrem Ziel, die Kontrolle des Spezialstahlherstellers zu übernehmen, immer näher. Über die am Mittwoch bekannt gewordene Vereinbarung zwischen den Widersachern im Kampf um S+B ist zwar Stillschweigen vereinbart worden. Fest steht aber, dass Renova nun zugesichert hat, im Fall einer (von ihr geforderten) umfangreicheren Kapitalerhöhung die Festübernahme sicherzustellen. Daraufhin erhält nun Renova Einblick in die Bücher von S+B und darf direkt mit den siebzehn kreditgebenden Banken sprechen.

Für das bereits übernommene S+B-Paket von rund 25% hat Vekselberg 2.40 Fr. je Aktie, also läppische 70 Mio. Fr., lockergemacht. Will Renova bei einer Kapitalerhöhung mitziehen, wären dafür Mittel in einer Grössenordnung von 80 bis 110 Mio. Fr. nötig. Ausserdem steht das öffentliche Pflichtangebot Renovas an. Aber auch wenn alle S+B-Publikumsaktionäre andienen würden (was wegen des niedrigen Preises nicht zu erwarten ist), müsste Vekselberg lediglich 200 Mio. Fr. auf den Tisch legen.

S+B sitzt aber auch auf Nettoschulden von mehr als 900 Mio. € und hat einen Bond von nominal 258 Mio. € (fällig im Mai 2019) ausstehend. Renova hat immer kritisiert, die Banken hätten wegen der hohen Kredite zu viel Einfluss.

Der Kredit von 1 Mrd. Fr. aus den verpfändeten Sulzer- und OC-Oerlikon-Aktien würde also über die Refinanzierung von S+B hinaus Engagements von mehreren hundert Millionen Franken zulassen. Die Schweiz gehört zu den bevorzugten Spielfeldern der Renova, branchenmässig sind Industrieunternehmen im Fokus. Die Historie zeigt ausserdem, dass sich die anvisierten Objekte in – meist finanziellen – Schwierigkeiten befinden, sodass der Investor es leicht hat, die Konditionen zu bestimmen und den Turnaround hinzubekommen.

Vekselberg wird weiterhin für Spannung sorgen.