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Veraison bringt mit VT5 erste Schweizer Spac auf den Weg

Die erste Spac-Mantelgesellschaft der Schweiz steht in den Startlöchern. VT5 des Investors Gregor Greber wolle am 15. Dezember an die Schweizer Börse gehen.

(AWP) Nun bekommt auch die Schweizer Börse ihr erstes Spac. Mit VT5 (VT5 9.9000 -1.00%) geht die erste Special Purpose Acquisition Company in den nächsten Tagen an den Start.

Das Bookbuilding, bei dem VT5 bis zu 200 Mio. Fr. einsammeln will, beginnt am 9. Dezember und dauert bis zum 13. Dezember. Der erste Handelstag an der SIX ist für den 15. Dezember vorgesehen, wie es in einer Mitteilung vom Montag heisst.

Beim Börsengang werden den Investoren 20 Mio. «Pakete» aus Aktien und Optionen angeboten. Ein solches «Paket» besteht aus einer Aktie der Klasse A sowie 1/3 eines Warrants – und kostet 10 Fr. Aktien und Warrants seien nach der Kotierung handelbar. Koordiniert wird die Transaktion von den Grossbanken Credit Suisse (CSGN 8.4860 -2.30%) und UBS (UBSG 16.79 -2.47%).

Als Präsident des Verwaltungsrat von VT5 amtet Heinz Kundert. Andreas Leutenegger ist Delegierter des Verwaltungsrats und CEO. Die beiden haben unter anderem den Vakuumventilhersteller VAT unternehmerisch begleitet, als dieser an die Börse ging. Kundert war zudem CEO des Technologieunternehmens Unaxis (heute Oerlikon).

Im Gremium vertreten sind zudem unter anderen Jennifer Maag, die Gründerin und geschäftsführende Partnerin der M&A-Boutique CCI, sowie der Investor Gregor Greber, der Gründer von Veraison.

Die Emissionsgrösse ist auf 200 Mio. Fr.  limitiert. «Auch wenn wir mehr machen könnten», sagte Verwaltungsrat Gregor Greber an einer Medienkonferenz. Schlüsselinvestoren wie die Artemis Group und Point Break Capital sowie der Initiator Veraison hätten bereits 177,7 Mio. Fr. zugesichert, so die Mitteilung weiter. Für die Gründungsmitglieder, den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung bestehe eine Sperrfrist von 12 Monaten, sagte Greber.

Fokus auf Hidden Champions aus dem Hightech-Bereich

Die Gesellschaft will in den kommenden 24 Monaten eine oder mehrere operative Firmen kaufen. Zu den Zielunternehmen gehörten führende Technologieunternehmen in Mittel- und Nordeuropa und insbesondere der DACH-Region mit einer starken Marktposition sowie guten Wachstums- und Rentabilitätsaussichten und idealerweise einem Unternehmenswert von rund 500 Mio. Fr., sagte Kundert. In Frage käme aber auch eine Grösse bis zu einer Mrd. Fr. Der Fokus sei auf die Bereiche Halbleiter, Optik, Automatisierung und additive Fertigung, Energietechnologien und Digitalisierung gerichtet.

Es sei keineswegs so, dass das angepeilte Feld abgegrast sei. «Es gibt noch genügend Kandidaten, in die wir investieren können», sagte Greber. Auf der Shortlist von VT5 stünden ein, zwei Dutzend Firmen, sagte Präsident Kundert.

Blankoscheckfirmen

Spacs sind Mantelgesellschaften, die allein zum Erwerb von nicht kotierten und namentlich (noch) nicht bekannten Zielgesellschaften gegründet werden. Ein Spac sammelt zunächst Kapital über einen Börsengang (IPO) ein. Erst dann geht es auf die Suche nach einer Firma, die gekauft werden kann. Die Zielgesellschaft kommt so zu einer Kotierung an der Börse.

Spacs sind im Ausland, vor allem in den USA, äusserst populär. Sie stehen aber nicht selten in der Kritik, weil sie etwa professionelle Investoren stark bevorzugen würden. Die SIX, die erst kürzlich die Bewilligung von den Behörden für diese Anlageform erhalten hat, hat extra für SPACs einen neuen Kotierungsstandard entwickelt, um einen angemessenen Grad an Anlegerschutz zu wahren. Die Dauer der Spacs ist auf maximal drei Jahre beschränkt und die aufgenommenen Gelder müssen auf einem Treuhandkonto einer Bank deponiert werden. Zudem gibt es ein grundsätzliches Rückgaberecht.

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