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Veraison steigt bei Aryzta ein

Die Investmentgesellschaft Veraison hält neu 3,2% des Aktienkapitals an Aryzta. Die Aktien des Grossbäckers reagieren mit Avancen.

(AWP/RI)  Der als aktivistischer Investor bekannte Vermögensverwalter Veraison Capital ist nun Aktionär beim krisengebeutelten Backwarenhersteller Aryzta (ARYN 0.68 +2.27%). Das geht aus einer Pflichtmitteilung  an die Schweizer Börsenbetreiberin SIX hervor.

Seit dem 28. April hält Veraison 3,19% des Aktienkapitals von Aryzta, das entspricht 31,7 Mio. Anteilsscheinen. Ob, und falls ja, wie viele Aryzta-Papiere Veraison vorher gehalten hat, ist nicht bekannt. Die Offenlegungspflicht entsteht erst ab 3% des Aktienkapitals.

Damit stehen der Aryzta-Spitze intensive Zeiten bevor. «Wir sind der Auffassung, dass die aktuelle Bewertung den fundamentalen Wert von Aryzta nicht korrekt spiegelt. Veraison ist vom langfristigen Wertpotenzial von Aryzta überzeugt», sagte Veraison-Mitgründer Gregor Greber am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP.

Weitere Fragen, etwa zum Dialog oder zum Austausch von strategischen Ideen mit dem Management, wollte Greber gegenüber «Finanz und Wirtschaft» nicht beantworten. Auch von Aryzta war bislang keine Stellungnahme erhältlich.

Die Investoren reagieren positiv auf die Nachricht vom Einstieg Veraisons. Die Aryzta-Aktie steigt am Mittwochvormittag in einem wenig veränderten Gesamtmarkt um mehr als 10% auf 0.42 Fr. Noch immer notieren die Titel 60% tiefer als zu Jahresbeginn. Das Allzeittief bei 0.28 Fr. wurde am 16. April erreicht. Erhöhte Kaufvolumen deuten darauf hin, dass Veraison damals mit dem Aufbau ihrer Position begonnen hat.

Mehrere Beteiligungen reduziert

Veraison hat eine lange Geschichte, Unternehmen, die aus ihrer Sicht unterbewertet sind, aufzumischen. Zuletzt bekamen dies etwa der Röntgentechnologiespezialist Comet (COTN 165.60 -0.96%) oder der Baukonzern Implenia (IMPN 22.36 -0.18%) zu spüren. Bei Comet gewann Veraison den Machtkampf um den Verwaltungsratspräsidenten, was zum Abgang von Firmenchef René Lenggenhager führte. Bei Implenia forderte Veraison im Verbund mit Aktionär Max Rössler die Aufspaltung des Baukonzerns.

Veraison hat im Laufe der letzten Wochen ihre Beteiligungen an mehreren Gesellschaften reduziert, namentlich an Orell Füssli (OFN 99.20 +0.2%), Calida (CALN 29.70 +1.02%) und Zehnder (ZEHN 49.25 +0.92%). Zudem hat der Investor nach kurzer Zeit sein Engagement bei Swatch Group (UHR 225.10 +0.27%) beendet.

Im Aktionariat von Aryzta gab es jüngst noch weitere Veränderungen. So stieg die Deutsche Bank (DBK 9.75 +2.32%) über ihre Fondstochter DWS Anfang Februar ein und hält derzeit rund 3% der Aktien. Am 24. März meldete zudem der Londoner Vermögensverwalter JO Hambro eine Reduktion seines Anteils auf 4,9%. Der grösste Aktionär ist immer noch die spanische Fondsgesellschaft Cobas mit 10%.

Massiver Stellenabbau

Aryzta war bereits vor der Coronakrise angeschlagen, wird aber durch die Pandemie noch heftiger gebeutelt. Mit seinen Kreditgebern will der Konzern eine formelle Vereinbarung zur Lockerung der Kreditbedingungen unterzeichnen, wie er am Montag bekannt gegeben hatte. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zum Ebitda solle neu kleiner oder gleich 6 sein, der Nettozins-Deckungsgrad grösser als 1,5. Dadurch erhalte man mehr finanziellen Spielraum, teilte der Konzern mit.

Die Gruppe habe ausserdem Massnahmen zur Senkung der Kosten und damit zur Sicherung des Barmittelbestands ergriffen. Acht Werke sollen vorübergehend geschlossen werden. Davon stehen drei in Europa und fünf in Nordamerika. Etwa 30% des Personals werden beurlaubt.

Darüber hinaus wird dem Management für die nächsten drei Monate das Gehalt gekürzt. Zudem wurden die Dividendenzahlungen für die Fälligkeiten im März und April verschoben.

Die komplette Historie zu Aryzta finden Sie hier. »

Leser-Kommentare

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Tobias Schait 06.05.2020 - 10:26
Noch ein Value Investor, der gemerkt hat, dass Aryzta krass unterbewertet ist. Paramés (Cobas) bleibt aber mit 10% klar stärkster Ankeraktionär. UBS und die Deutsche Bank sind übrigens in den letzten Wochen auch mit über 3% eingestiegen. Was die Finanzpresse schreibt, muss einfach auch einmal korrigiert werden. Das gegenwärtige Problem von Aryzta sind nicht mehr die Schulden. Im Abschluss vom… Weiterlesen »
Michael Wagner 06.05.2020 - 11:36
Couldn’t agree more! Egal was Aryzta macht, es wird immer negativ gesehen. Ich verstehe sowiso nicht die ganze Thematik um noch eine Kapitalerhöhung. Wenn Aryzta nach CH-GAAP abschliessen und den Goodwill direkt mit dem EK verrechnen würde, wäre das EK halt negativ; wie z.B. bei Mobilezone. Goodwill und Int. Assets. impairments haben überhaupt keinen ökonomischen Wert auf das bzw. für… Weiterlesen »