Meinungen

Verantwortungslos

Die Konzernverantwortungs­initiative ist das falsche Mittel, um Konzerne zum Saubermann zu machen. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Richtiges Ziel, falscher Weg, heisst es immer wieder. In diesem Fall trifft das den Nagel auf den Kopf. »

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe durchaus Verständnis für die Anliegen der Initianten der Konzernverantwortungsinitiative (KVI). Doch es kommt mir ein wenig so vor, als ob man sich zum Geburtstag Weltfrieden wünscht. Ja, klar hört sich das gut an. Doch im Endeffekt funktioniert die Welt nicht ganz so einfach.

Die KVI ist das falsche Mittel, um einen Konzern wie Glencore (GLEN 214.60 +0.94%), dem vorgeworfen wird, in Südamerika Trinkwasser zu vergiften, zum Saubermann zu ­machen. Die Initiative geht zu weit und schadet dem Wirtschaftsstandort Schweiz auf breiter Front. Warum?

Selbst wenn die von den Gegnern ­immer wieder ins Feld geführte Zahl von über 80 000 betroffenen Unternehmen wohl etwas hoch angesetzt ist, sind die Folgen gerade für Schweizer KMU massiv. Wenn es um Menschenrechte und Umweltstandards geht, sollen Schweizer Unternehmen für Vergehen haften, und zwar weltweit, für diejenigen der gesamten Zulieferkette und aller Geschäftsbeziehungen. Spätestens mit diesem Punkt ­haben mich die Initianten verloren.

Niemand kann jeden Zulieferer und Vertragspartner derart genau unter die Lupe nehmen. Das schaffen wohl nicht einmal grössere Unternehmen, geschweige denn kleinere. Schon eine bloss lückenhafte Kontrolle wäre mit enormen Kosten ­verbunden und würde Schweizer ­Unternehmen einen schmerzhaften Wettbewerbsnachteil bescheren.

Richtiges Ziel, falscher Weg, heisst es immer wieder. In diesem Fall trifft das den Nagel auf den Kopf. Der Gegenvorschlag, der bei einem Nein zur KVI in Kraft tritt, ist der richtige Weg und nimmt Unternehmen mehr als bisher in die Pflicht. Deshalb sage ich am 29. November Nein zur KVI.