Unternehmen / Energie

Verfechter der Energiewende

Der Erfinder und Unternehmer Urs Weidmann will die Energiewirtschaft der Schweiz mit einem methanolbasierten Minikraftwerk revolutionieren.

Simon Scharpf

Die Ölkrise 1973 hat Urs Weidmann nachhaltig beeinflusst: «Die Abhängigkeit der Schweiz von einem einzelnen ausländischen Rohstoff schockierte mich», sagt der heute 61-Jährige. Kurzentschlossen schrieb er sich für ein Studium an der ETH Zürich ein, um mehr über Energie zu lernen.

Nach der Promotion in Elektrotechnik und einem Zusatzdiplom in Betriebswirtschaft arbeitete Weidmann für vier Jahre am Paul-Scherrer-Institut. Im Forschungszentrum für Natur- und Ingenieurswissenschaften sei es seine Aufgabe gewesen zu «entscheiden, wo der schweizerische Steuerfranken im Energiebereich optimal eingesetzt wird».

Mit der Zeit kam der ruhelose Ingenieur jedoch zum Schluss, dass «die Kernenergie in der Schweiz keine Zukunft» habe und die Energiewirtschaft besser über die Finanzierung zu beeinflussen wäre als über die Wissenschaft. Deshalb heuerte er 1983 bei der Credit Suisse (CSGN 10.815 -2.52%) an, absolvierte im Bankwesen seine dritte Ausbildung und sammelte über die Jahre Erfahrung im Bereich der internationalen Projekt- und Unternehmensfinanzierung. Daher rührt auch sein umfangreicher Anekdotenschatz, aus dem er immer wieder Kostproben in seinen kaum zu bremsenden Erzählfluss streut.

Ernsthaft jedoch sagt er: «Ich kannte immer meine Lebensziele. Ich wollte etwas gegen den Klimawandel unternehmen und mithelfen, die Kernenergie abzulösen.» Die eigenen Ideen umzusetzen, wäre zwar Ende der Neunzigerjahre noch zu teuer gewesen, aber das Unternehmertum lockte. So gründete das damalige UBS-Direktionsmitglied die IMES Management, mit der er seit 1999 für Schweizer Kunden Produktionsbetriebe in Asien aufbaut. Der Erfolg mit IMES machte eine erste Erfindung möglich. Das Raumklimagerät Air-On reinigt die Luft von Feinstaub und regelt dabei gleichzeitig Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Es brachte der extra gegründeten Air-On den Schweizer Innovationspreis 2011 ein.

Dann schien die Zeit endlich gekommen für Weidmanns altes Herzensanliegen. Fukushima und die energiepolitische Wende veranlassten ihn dazu, die Silent Power zu gründen. Sie hat zum Ziel, die Energiewirtschaft mit einem Umstieg auf Methanol zu revolutionieren. Kernstück ist das Kleinkraftwerk Econimo, das neben Strom auch Kälte und Wärme produziert. Ein erstes Modell soll zur Aktionärsversammlung und Produktpräsentation am 19. Juni für die Wasserwerke Zug (Wasserwerke Zug 14450 0%) in Betrieb sein.

Noch gilt es zahllose Probleme zu lösen sowie unzählige Baukomponenten und Fähigkeiten zusammenzubringen, um das Kleinkraftwerk rechtzeitig bereit zu haben. Weidmann ist dabei das pulsierende Zentrum, ein unermüdlicher Verfechter seiner methanolbasierten Energiewende. Für seine Sache konnte er schon namhafte Investoren wie Thomas Escher, Ex-Vice-Chairman Wealth Management UBS (UBSG 12.165 -3.14%), und Walter Grüebler, ehemaliger Sika-Verwaltungsratspräsident, gewinnen.

Neben seinem Engagement als Erfinder und Unternehmer bleibe kaum mehr Zeit für anderes als «das vom Arzt verschriebene Minimum an Sport», wie der Single lachend erklärt. Und demnächst gehe er einmal zur Gauguin-Ausstellung in der Fondation Beyeler in Riehen. «Malerei ist die von mir bevorzugte Erscheinungsform von Öl», sagt er dazu.

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