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Verfrühte Hoffnung in den USA

Der Trend an den amerikanischen Börsen zeigt nach oben. Doch die Grundlage für einen nachhaltigen Aufschwung fehlt, wie ein Blick auf die aktuellen Immobiliendaten deutlich macht.

Tina Haldner

Eine deutliche Erholung des Immobilienmarktes und ein wachsendes Einkommen für den Durchschnittsamerikaner: Das sind die Zutaten für einen nachhaltigen Aufschwung am amerikanischen Aktienmarkt, der auf einer Normalisierung der Wirtschaftslage basiert, schreibt Christopher Wood vom asiatischen Brokerhaus CLSA Asia-Pacific Markets in seinem wöchentlichen Researchpapier Greed & Fear. Diese Entwicklungen würden es der Notenbank erlauben, langsam zu einer konventionellen Geldpolitik zurückzukehren und die Zinsen zu erhöhen, ohne die Wirtschaft abzuwürgen und die Börsen erneut auf Talfahrt zu schicken.

Solange diese Grundlagen nicht gegeben sind, dürfte es sich bei einer Aktienrally lediglich um ein Strohfeuer handeln, das auf dem Prinzip Hoffnung gründet. Investoren tun also gut daran, die entsprechenden Indikatoren genau zu beobachten, bevor sie ein Engagement in Aktien in Erwägung ziehen.

Die erste Grafik (Quelle: CLSA) gibt einen Überblick über die Entwicklung des durchschnittlichen Stundenlohns in der Privatwirtschaft. Zwar zeichnet sich jüngst eine Zunahme ab, das Niveau bleibt aber äusserst bescheiden, und von einer Trendwende kann noch kaum die Rede sein:

Quelle: Greed & Fear

Ein Blick auf das Nettovermögen der Haushalte ergibt ein optimistischeres Bild: Die hellblaue Kurve erreicht beinahe wieder den Stand von vor der Krise. Das verfügbare Einkommen (dunkelblaue Kurve) bleibt jedoch unterdurchschnittlich tief:

Quelle: Greed & Fear

Ohne Einkommen fehlt das Geld, um eine Anzahlung für ein Haus zu leisten oder die Schuldzinsen zu bedienen.

Laut Greed & Fear sind gegenwärtig vor allem zwei Käufergruppen am Immobilienmarkt aktiv. Zum einen handelt es sich um Investoren, die sich eine hohe Rendite aus Immobilenanlagen versprechen. Zum andern sind es Privatpersonen mit niedrigem Einkommen, die von der staatlichen Förderung profitieren (Federal Housing Administration, FHA) und damit vergleichsweise günstig eine Hypothek beziehen können. 2012 wurden rund 29% der Hypotheken über die FHA vergeben (Quelle: CLSA):

Quelle: Greed & Fear

Hypothekenbezüger, die in die Kategorie Subprime fallen, machen demnach einen überdurchschnittlich hohen Anteil aus. Hingegen fehlen die Impulse aus der breiten Mittelschicht, die Häuser für den Eigenbedarf bauen will. Zwar haben die Baubeginne im Dezember den höchsten Stand seit 2008 erreicht. Die derzeitige Bautätigkeit konzentriert sich aber hauptsächlich auf Mehrfamilienhäuser, der Bau von Einfamilienhäusern hat sich bei weitem noch nicht von der Krise erholt, wie aus der nächsten Grafik ersichtlich wird (Quelle: CLSA):

Quelle: Greed & Fear

Das Fazit: Die Hoffnung auf eine Normalisierung der Wirtschaftslage ist noch verfrüht. Der US-Immobilienmarkt, ein Sockel der amerikanischen Wirtschaft, ist noch zu schwach, um einen Zinsanstieg verkraften zu können. Das bedeutet auch, dass das Fed die expansive Geldpolitik fortführen muss, da sonst die Gefahr einer erneuten Wirtschaftsflaute besteht.

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