Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Vorsorge
Zum Thema: Wo das Rentenpolster dicker ist

«Vergleichbare Performance, aber weniger Risiko»

Sabine Döbeli, Geschäftsleiterin Swiss Sustainable Finance, berichtet von einem 39%igen Anstieg der Nachhaltigkeitsanlagen.

Das Volumen nachhaltig investierter Gelder hat in der Schweiz im vergangenen Jahr 39% zugenommen auf knapp 270 Mrd. Fr., wie die Interessenvereinigung Swiss Sustainable Finance ermittelt hat. Gemäss Geschäftsleiterin Sabine Döbeli machen entsprechend strukturierte Anlagefonds 7% des gesamten Schweizer Fondsmarkts aus. Aus Nachhaltigkeitsüberlegungen beschlossen die Bundespensionskasse Publica und weitere Vorsorgeeinrichtungen im Mai, auf Investments in global fünfzehn Hersteller besonders verpönter Waffen zu verzichten.

Frau Döbeli, die schweizerischen Nachhaltigkeitsinvestments sind vor allem deshalb 2016 stark gewachsen, weil Grossanleger zusätzliche selbst betreute Gelder gemeldet haben. Was steckt dahinter?

Versicherer, Pensionskassen und Vermögensstiftungen sehen sich vermehrtem öffentlichem und internem Druck ausgesetzt. Auch orientieren sie sich an Entwicklungen in anderen Ländern, wo solche Investments schon breiter verankert sind. Sie erkennen, wie sinnvoll es ist, die Investments durch eine nachhaltige Prägung besser in Einklang mit dem Ziel und Zweck ihrer Organisation zu bringen.

Die Nachhaltigkeitsanalysen kosten. Wie sehr wird deshalb die Anlageperformance beeinträchtigt?
Ich höre immer wieder von Grossanlegern, dass mit nachhaltig ausgelegten Portfolios eine mit herkömmlichen Strukturen vergleichbare Performance resultiert. Gleiches belegen auch viele Studien. Dass das Risikoprofil des Portfolios besser wird und zudem die Wirtschaft als Ganzes in eine langfristig vorteilhaftere Richtung bewegt wird, ist für viele Anleger mindestens ebenso wichtig.

Pensionskassen, aber auch viele Private nutzen vermehrt passive, indexnachbildende Anlageprodukte. Wird das nicht den von Ihnen dargelegten Expansionstrend der Nachhaltigkeitsanlagen bremsen?
Grossanleger, die beispielsweise für den Kern ihrer Aktienanlagen passive Indexstrukturen wählen, nutzen als nachhaltigen Aspekt das Aktienstimmrecht wohlüberlegt. Viele treten darüber hinaus direkt oder indirekt über die Delegation an Aktionärsdienstleister in den Dialog mit Managern, um das Verhalten und die Ziele der Unternehmen zu beeinflussen.

Dies als Nachhaltigkeitsanlage zu bezeichnen, scheint mir salopp gesagt eine Mogelpackung zu sein.
Nein, das ist es keineswegs. Ein offensives Vorgehen mit kritischen und intensiven Besprechungen wichtiger Anlegergruppen mit dem Management eines Unternehmens wird über die Zeit viel mehr bewegen als der eher passive Ansatz, sich aus den Aktien beanstandeter Unternehmen zu verabschieden oder sie einfach zu meiden. Engagement zu zeigen und mitreden zu können ist für viele institutionelle Anleger auch der leichtere Einstieg in die Nachhaltigkeitsanlage, als es ein vollständiges Auf-den-Kopf-Stellen des ganzen Portefeuilles wäre.

Geht Nachhaltigkeit auch ausserhalb der Anlageklasse Aktien?
Auch für Anleihen, Immobilienobjekte und andere Anlageklassen gibt es umfassende Nachhaltigkeitsratings. Sie beruhen auf Kennzahlen und auf qualitativen Kriterien, die die üblichen Erkenntnisse der Finanzanalyse ergänzen. Die Antwortenden unserer Umfrage haben in Summe 36% der Nachhaltigkeitsinvestments in Aktien und 37% in Unternehmens- sowie Staatsanleihen angelegt. 20% entfallen auf Immobilien.

Wie wird sich der Nachhaltigkeitsmarkt in der Schweiz in den nächsten drei Jahren weiterentwickeln?
Bei den Versicherern, Pensionskassen und Vermögensstiftungen stehen wir erst am Anfang. Da werden rasch noch viele mehr diesen Weg einschlagen.

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