Meinungen

Verlust garantiert

Europa hat den Anlegern in den letzten zwanzig Jahren keine Rendite gebracht. Vor allem, wenn man blind auf den Leitindex gesetzt hat. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Pascal Meisser.

«Europas Leitindex ist zu einem Sammelbecken von Krisenunternehmen geworden.»

Europa war für Anleger in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ein Trauerspiel. Stellen Sie sich vor, sie hätten vor rund zwanzig Jahren 10 000 Fr. in einen Korb der fünfzig grössten Unternehmen des Euroraums investiert. Heute blieben Ihnen noch 6500 Fr. Ein garantierter Verlust also. Sie wären besser gefahren, wenn Sie Ihr Kapital sicher auf einem Konto hätten verzinsen lassen. Trotz sinkender Zinsen.

Damals, auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase, erreichte der Euro Stoxx 50 seinen Höchstwert, den er seither nie auch nur annähernd egalisiert hat. Das liegt daran, dass der Index zu einem Sammelbecken von früheren und heutigen Krisenunternehmen geworden ist. Die Aktien der Autohersteller sind ebenso eingebrochen wie diejenigen der Finanzgiganten, Bayer (BAYN 69.18 0.29%) musste im Zuge der Monsanto-Übernahme Kurseinbrüche hinnehmen, ähnlich die Energieversorger Enel (ENEL 6.775 0.77%) und RWE (RWE 26.19 1.99%), die sich der Energiewende stellen mussten.

Dabei ist es nicht so, dass der Euroraum in jüngerer Vergangenheit ausschliesslich ein wirtschaftliches Jammertal gewesen wäre. Hätten Investoren auf den deutschen Aktienindex Dax (DAX 13166.58 0.86%) oder den französischen Leitindex Cac 40 gesetzt, sähe das Bild im Portfolio massiv erfreulicher aus – obschon auch diese beiden Börsenbarometer einige Unternehmen führen, die in der Vergangenheit die Performance gebremst haben.

Das Beispiel des Euro Stoxx 50 (Euro Stoxx 50 3692.34 1.21%) zeigt aber auch, wie riskant es ist, blind via passive Anlageinstrumente wie ETF etablierte Regionen abdecken zu wollen, bloss weil die Produkte günstig sind und ungefähr die Rendite des Gesamtmarktes abliefern.

Leser-Kommentare

Roland Könen 28.11.2019 - 13:53
Sehr geehrter Herr Meissner, leider komme ich erst heute dazu, die FuW vom Samstag zu lesen. Ihr Kommentar enthält aus meiner Sicht zwei (gravierende) Fehler. Zum einen rechnen Sie die Währungsentwicklung EUR/CHF – von 1,51 auf 1,10 in den 10 Jahren – mit ein (was aus schweizerischer Sicht vielleicht noch nachvollziehbar ist) und zum anderen berücksichtigen Sie im EuroStoxx50 nicht… Weiterlesen »